Trotzdem kann es wichtig sein, sich vor der Krebsbehandlung mit der Frage nach dem späteren Kinderwunsch zu beschäftigen. Denn Ihre Krebsbehandlung kann unter Umständen die Fähigkeit verhindern, später Mutter oder Vater zu werden. Eine Entscheidung für den späteren Kinderwunsch muss daher von Ihnen vor Beginn der Behandlung getroffen werden, da alle Maßnahmen zum Erhalt der Fruchtbarkeit nur in diesem Zeitraum sinnvoll sind.

Fruchtbarkeit und Krebsbehandlung – passt das zusammen?

Absolut ja, meint Prof. Ingo Runnebaum. Durch innovative Technik sowie jahrzehntelange Forschung und Erfahrung ist das Zentrum weltweit Anlaufstelle für Frauen und Männer, die den Kinderwunsch aufschieben und später realisieren möchten.

Muss nicht immer eine Totaloperation bei Krebs der Gebärmutter oder der Eierstöcke gemacht werden?

Nein! In Jena entwickeln wir seit fast zwei Jahrzehnten Operationstechniken, um die Organe zu erhalten und damit auch die Fruchtbarkeit. Die Ergebnisse zeigen, dass sehr viele Frauen danach gesunde Kinder gebären. Die Sicherheit der Frau steht natürlich immer an erster Stelle.

Während einer Chemo- oder Strahlentherapie zur Krebsbehandlung werden Eizellen und Eierstockgewebe stark geschädigt. Welche Möglichkeiten gibt es, die Fruchtbarkeit von Frauen trotzdem zu erhalten?

Die Maßnahme für den Erhalt der Fruchtbarkeit sollte vor einer Chemo- oder Strahlentherapie durchgeführt werden. Dafür entnehmen wir der Frau Eizellen oder Eierstockgewebe. Dieses bewahren wir anschließend bei minus 196 Grad in einer Kryobank (Kryo = Kälte) sicher auf. Durch die Kryokonservierung können Zellen und Gewebe vor Umweltgiften – oder Zellgiften während einer Krebsbehandlung – geschützt werden. Will die Frau ihre Familienplanung in Angriff nehmen, implantieren wir die befruchtete Eizelle oder das Eierstockgewebe wieder in ihren Körper. So kann sie auf normalem Wege schwanger werden.

Die Frau kann sich auch für eine dritte Methode entscheiden: eine Hormonbehandlung, bei der die Eierstöcke ruhiggestellt werden, sodass keine Zellreifung stattfinden kann und die Zellen durch Strahlen- oder Chemotherapie weniger geschädigt werden. Die ersten beiden Verfahren sind nachweislich effektiver. Auch gesunde junge Frauen entscheiden sich immer mehr für das „Social Freezing“, mit dem ihr junges Gewebe für einen späteren Kinderwunsch optimal erhalten bleibt.