Fortschritte in der Vorbeugung und Therapie. Bei Personen mit einem intakten Immunsytem besteht ähnlich wie beim Lippenherpes eine lebenslang andauernde ungefährliche Infektion.

Da das Immunsystem des ungeborenen Kindes speziell im ersten und zweiten Schwangerschaftsdrittel noch nicht ausreichend entwickelt ist, kann jedoch eine Infektion im Mutterleib schwerwiegende lebenslange Folgen haben.

Der häufigste Übertragungsweg von der Mutter auf das Kind ist die CMV-Infektion über die Muttermilch. Diese nachgeburtliche CMV-Infektion verläuft bei reifen Neugeborenen nahezu immer ohne Langzeitfolgen. Ein weiterer bedeutsamer Übertragungsweg ist der vorgeburtliche Virusübertritt auf das ungeborene Kind bei einer Neu- oder Wiederinfektion der werdenden Mutter.

In Deutschland besteht nur bei 40 bis 60 Prozent der Schwangeren ein schützender CMV Antikörperstatus. Die meisten CMV-Infektionen verlaufen für die Schwangere unbemerkt.

Hauptinfektionsquelle für diese mütterlichen Infektionen sind symptomlos CMV-infizierte Kleinkinder im familiären oder beruflichen Umfeld der Schwangeren. Deshalb sollte jede Schwangere mit fehlenden schützenden Antikörpern beim Umgang mit Kleinkindern auf eine besondere Hygiene (regelmäßiges Händewaschen, Vermeiden von ungeschützten Urin- und Speichelkontakten) achten.

Nach einer mütterlichen CMV-Erstinfektion geht das Virus wie alle Herpesviren in die Phase der persistierenden Virusinfektion über, aus der es sich bei Verlust oder Veränderung der Immunkontrolle wieder reaktivieren kann.

Der transplazentare CMV-Übertritt von einer Schwangeren mit Erstinfektion auf das Ungeborene liegt je nach Literaturquelle und in Abhängigkeit vom Infektionszeitpunkt bei 30 bis 70 Prozent. Bei einer bereits vor der Empfängnis anti-CMV-immunen Mutter mit Wieder- oder Reinfektion beträgt die Virusübertrittrate auf das Ungeborene dagegen nur ein Prozent.

Vorgeburtliche Untersuchungen

Vorgeburtliche Ultraschall-Auffälligkeiten von Feten mit CMV-Infektionen sind sehr variabel und nur bei maximal 20 bis 30 Prozent der später geschädigten Kinder nachweisbar (beispielsweise Wachstumsverminderung, Aufweitung der zerebralen Liquorräume, intrakranielle Verkalkungen, Mikrozephalie, hyperechogener Darm).

Die Nachweisrate der CMV-Infektion im Fruchtwasser steigt von 50 auf etwa 75 bis 90 Prozent an, wenn mehr als acht Wochen ab Beginn der mütterlichen CMV-Infektion verstrichen sind.

Auch im Fetalblut kann eine CMV-Infektion, allerdings mit einer der Fruchtwasserdiagnostik unterlegenen Nachweisgenauigkeit, festgestellt werden.

Höhere Viruslast, erhöhte fetale Leberwerte und reduzierte fetale Blutplättchenwerte im Urin beziehungsweise Fruchtwasser sprechen bei vorhandenen Ultraschall- oder MRT-Auffälligkeiten fast immer für symptomatisch infizierte (das heißt bleibend geschädigte) Kinder.

Therapie

Gegenwärtig gibt es zur Therapie der prä- oder postnatalen CMV-Infektion des Feten beziehungsweise Neugeborenen kein zugelassenes Medikament.

Ein medikamentöser Heilversuch bei Feten oder Neugeborenen ist trotzdem berechtigt, allerdings kann dieser keine durch Studien wissenschaftlich gesicherte Therapieempfehlung ersetzen. Im Off-Label-Use kommen in Einzelfällen Virostatika sowie CMV-spezifische Hyperimmunglobuline zum Einsatz.

Argumente gegen eine generelle Therapieempfehlung sind das Toxizitätsprofil der Virustatika sowie die noch nicht abgeschlossenen Studien über die vorgeburtliche Hyperimmunglobulin-Therapie.

Speziell bei der frühen Erstinfektion während der Schwangerschaft deuten die derzeitigen Studiendaten darauf hin, dass eine baldige CMV-Hyperimmunglobulin-Gabe Schädigungen vermeiden helfen kann.