Was ist typisch weiblich, oder gibt es das überhaupt nicht?

Ich habe mir abgewöhnt, in Geschlechterklischees zu denken. Ich wurde einfach sehr oft vom Gegenteil überzeugt. Zum Beispiel nehme ich sehr viele Männer als deutlich kommunikativer und einfühlsamer wahr als mich.
 


Ich befasse mich viel mit meiner körperlichen und geistigen Verfassung, auch weil ich es einfach spannend finde, Dinge über mich zu lernen.
 


Im Vergleich zu Männern gehen Frauen öfter zum Arzt. Wie ist das bei Ihnen? Gehen Sie regelmäßig zum Arzt?

Ja, ich gehe oft und tatsächlich auch gerne zum Arzt. Generell befasse ich mich viel mit meiner körperlichen und geistigen Verfassung, auch weil ich es einfach spannend finde, Dinge über mich zu lernen. Zum Beispiel, dass eine depressive Stimmung auch einfach mal mit einem Vitaminmangel zusammenhängen kann.
 

Was sind denn so typische „Frauenkrankheiten“, die Sie vielleicht selbst kennen?

Ich kenne viele Frauen, die sich mit dem Wissensstand von heute bewusst gegen eine hormonelle Verhütung entschieden haben. Oft bringt das Absetzen der Pille leider stärkere Menstruationsbeschwerden und PMS mit sich. Es findet heute aber glücklicherweise ein immer größerer Austausch darüber statt. Auch auf Social-Media-Plattformen wie Instagram wird fleißig gepostet, damit die Tage nicht länger ein Tabuthema sind und Frauen sich auch trauen, zum Arzt zu gehen, um sich zum Beispiel auf Endome-triose untersuchen zu lassen.  
 

Und was unternehmen Sie gegen Menstruationsschmerzen?

Ich kann mir glücklicherweise meine Arbeitszeiten recht frei einteilen. Ich habe kürzlich angefangen, in meinem Kalender einzutragen, wann ich meine Tage bekomme. So kann ich zum Beispiel, wenn es um Shootingdaten geht, gucken, dass ich nicht kurz vor und am ersten Tag meiner Periode shooten muss. Ich bin da immer zu relativ wenig zu gebrauchen und möchte mich am liebsten zu Hause einmuckeln. Mein Freund hat auf den Kalender Zugriff und weiß jetzt, dass er an diesen Tagen sensibler mit mir umgehen muss. Denn ich bin dann auch seelisch recht verletzlich und brauche einfach viel Nähe. Ich denke, wir Frauen sollten uns von dem Gedanken verabschieden, an den Tagen gleiches Pensum wie immer leisten zu müssen. Es wird auch meistens direkt besser, wenn man den Anspruch runterschraubt und es akzeptiert, dass man nicht auf der Höhe ist.
 

Warum ist es trotzdem schön, Frau zu sein?

Wir können schwanger sein und Kinder gebären. Das ist doch abgefahren!
 

Was tun Sie für Ihr eigenes Wohlbefinden und Ihre Gesundheit?

Ich leide seit meiner frühen Jugend an einer starken Skoliose, einer verdrehten Wirbelsäule. Das Gute: Ich habe früh gelernt, auf meinen Körper zu hören und Dinge zu tun, die meinem Rücken guttun. Ich gehe ein- bis zweimal die Woche zum Yoga und einmal die Woche joggen oder schwimmen. Ich liebe es auch einfach, mich morgens auf meine Matte zu legen und das zu tun, was meinem Körper guttut, im eigenen Tempo. Überfüllte Fitnesskurse, die auf Schnelligkeit gehen, sind nichts für mich. Ansonsten achte ich auf eine halbwegs ausgewogene Ernährung, was manchmal schwierig ist, weil ich viel Zeit an deutschen Bahnhöfen und in Zügen verbringe.
 

Sie machen auf Ihrem Blog www.fairknallt.de auf nachhaltige und fair produzierte Mode aufmerksam. Woher rührt das Engagement?

Ich liebe Mode schon immer, aber nach dem Einsturz des Rana-Plaza-Buildings in Bangladesch, bei dem über 1.000 Textilarbeiter ums Leben kamen, kann ich nicht mehr weggucken und befasse mich damit, unter welchen Umständen Labels produzieren lassen. Mein Wissen möchte ich über den Blog weitergeben und zeigen, wie stylish nachhaltige Mode aussehen kann.