Paulina ist kein Model. Wie genau so ein Shooting abläuft, weiß sie nicht. Sie ist eher groß, kurvig, hat schöne braune Augen und Grübchen, wenn sie laut lacht. Dieses Lachen konnte sie sich durch den Kampf gegen den Krebs erhalten. Ihre Brüste nicht.

Es ist erst zwei Jahre her, dass sie die Diagnose bekommen hat. Sie war gerade 30, im Job angekommen, glückliche Mutter. Dann entdeckt sie den Knoten in der Brust. Ohne Vorgeschichte, ohne Warnzeichen. Sie geht durch Chemotherapien, glaubt, den Krebs besiegt zu haben. Doch er kehrt zurück, ist aggressiv. Sie muss sich entscheiden, zwischen beiden Brüsten und dem Leben.

„Das war surreal“, wird sie dem Team später erzählen. „Ich war todkrank, dabei fühlte ich mich völlig gesund.“

Auf die Idee mit dem Shooting kam sie über Facebook. Pink Ribbon Deutschland suchte dort nach Frauen mit „Mut zum Mutmachen“. Sie mochte die Idee, anderen Frauen zeigen zu können, dass sich der Kampf lohnt. „Heute wird nicht gestorben, und morgen auch nicht. Und übermorgen gucken wir mal“, so ihr Credo. Ihre Lebensfreude wirkt authentisch, ansteckend.

In London trifft sie die vier anderen Frauen, die heute mit ihr vor der Kamera stehen werden. Sie alle haben ihre eigene Geschichte, bekommen ihr eigenes Dessous.

Doch zunächst geht es entspannt los, das Team kennenlernen, Tee trinken, die Modelle „fitten“. Eine Stylistin bringt Paulinas kurzes Haar in Form, tuscht die Augen, zieht den edlen Stoff zurecht. Der stammt von einem Designerlabel aus Zürich. Wie sie ihre Größe ohne Körbchen angibt, wurde ihr in einem Vorgespräch erklärt. Muster aus schwarzer Spitze heben sich spielerisch von ihrer Haut ab, verdecken die Narben. Das hat nichts von Kompressionswäsche, das versprüht Leichtigkeit, ist sexy.

Aber ist es das, wie sich Paulina wirklich fühlt? Sexy? Zweifel kommen in ihr auf, denn es gibt Tage, da tut es ihr weh, sich nackt im Spiegel anzusehen. Zu sehen, welche Spuren der Krebs hinterlassen hat.

Es sind die anderen Frauen, die sie bestärken, weiterzumachen. Und Rankin, der alle Arbeit unterbricht und sie auffordert, einmal laut durchs Studio zu schreien. Das tut sie. Paulina zieht durch, wozu sie hergekommen ist.

Ein wenig später betrachtet sie die Vorschaubilder auf dem Monitor. Das Team entscheidet sich für Schwarz-Weiß. Dass sie durch kurze Haare und die Brustabnahme nicht zum Mann geworden ist, hat sie schon nach der OP gewusst. Aber ihre Sinnlichkeit sieht sie erst in diesem Moment wieder vor sich.

„Ich brauchte einfach einen visuellen Beweis. Es musste mir einer zeigen: Ja, ich bin stark und schön, ich bin weiblich und sinnlich.“

Und so lässt sich vielleicht die Botschaft zusammenfassen, die uns die fünf Frauen heute gegeben haben: Gleich, ob du eine, beide oder gar keine Brüste mehr hast – was Weiblichkeit wirklich ausmacht, kann dir niemand nehmen.

IMPRESSIONEN VON PAULINAS SHOOTING

Mehr Informationen unter: pinkribbon-deutschland.de und paulinapaulette.com