Sie sind eine der Produzentinnen der Dokumentation „Embrace“, in der es um das so wichtige Thema der Selbstliebe und Selbstakzeptanz geht. Was hat Sie dazu bewegt, sich für dieses Thema zu engagieren?

Langjährige Beobachtungen im näheren und entfernteren Umfeld, die ich selbst als tief bestürzend empfand. Sogar bei den Frauen, die ich für absolut immun gegen Körperfixierung und Schönheitswahn gehalten hätte, bei starken, klugen, kompetenten, charismatischen Persönlichkeiten, beruflich und privat scheinbar absolut auf der Gewinnerseite, war ständig dieses Hadern mit sich selbst wahrzunehmen, dieses Streben nach äusserlicher Perfektion.

Das hat mich abwechselnd traurig, wütend und ratlos gemacht und ich fing an mich damit zu beschäftigen, woher das kommt. Als ich dann eines Tages auf Taryn’s Filmprojekt stieß, stand für mich außer Frage, Unterstützerin werden zu wollen.

Das eigene Körpergefühl spielt eine so wichtige Rolle für die Gesundheit und das eigene Glück. Wie stehen Sie zu sich selbst und wie gehen Sie mit möglichen Selbstzweifeln um?

Mittlerweile ziemlich sinnvoll. Aber das musste ich lernen. Ich musste das Körpergefühl, das ein Kind ganz natürlich besitzt, dieses glasklare Gespür für die eigenen körperlichen und seelischen Bedürfnisse, mühsam wieder freischaufeln.

Leute, die leidenschaftlich ihr Potenzial ausleben und entspannt und humorvoll mit sich selbst und anderen sind, empfinde ich meist als sehr attraktiv.

Meine innere Stimme lag verschüttet unter den gefühlt sehr viel lauteren anderen Stimmen meines privaten, schulischen und gesellschaftlichen Umfeldes.

Immer wurde unterschwellig signalisiert, so richtig gut bist du noch nicht wie du bist und irgendwie wissen wir alle doch am besten, was gut für dich ist. Mit Mitte 20 hatte ich zum Beispiel keinerlei Gespür dafür, wann mein Körper ein Sättigungsgefühl hat.

Das allein wiederzuerlernen hat richtig gedauert.

Viele Frauen plagen sich damit, nicht den gängigen Schönheitsidealen zu entsprechen. Dabei liegt Schönheit doch eigentlich immer im Auge des Betrachters. Wen oder was empfinden Sie als schön?

Leute, die leidenschaftlich ihr Potenzial ausleben und entspannt und humorvoll mit sich selbst und anderen sind, empfinde ich meist als sehr attraktiv. Und äußerlich: Lachfalten.

Ein Geheimrezept zur Selbstliebe gibt es wahrscheinlich nicht. Haben Sie trotzdem einen Rat für unsere  Leser?

Klein anfangen und dran bleiben. Es lohnt sich.

Nora Tschirner neuestes Projekt "Embrace"