Er ist keine Drag Queen, kein Verrückter und auch kein Freak. Der Amerikaner Bob Carey ist einfach nur ein Mann, der seine Frau Linda über alles liebt.

 

In Deutschland kennt Sie jeder aus der Werbung. Können Sie uns ein wenig mehr über den Hintergrund des Tutu-Projekts erzählen?

Ich bin von Beruf Fotograf und wurde vom Arizona Ballet um die Teilnahme an einem gemeinnützigen Projekt gebeten, um im Bild darzustellen, was Ballett für mich bedeutet. Damals fotografierte ich Selbstporträts in Schwarz-Weiß und behielt diesen Stil für das Projekt bei.

Nach dem Projekt behielt ich das Tutu, weil ich dachte, dass ich es vielleicht auf unserem Weg an die Ostküste für ein neues Fotoprojekt nutzen könnte: Ich wollte mich selbst in Farbe im Tutu fotografieren und suchte dafür Landschaftsansichten von beeindruckender Natur, Farbe und riesigen Weiten.

Die Bilder ermöglichten uns eine Pause vom Krebs.

 

Was bedeuten die Fotos für Ihre Frau?

Linda ist meine Produzentin. Wir arbeiten seit 20 Jahren zusammen, daher war es für sie selbstverständlich, mich bei meinen Aufnahmen zu begleiten. Ich denke, zunächst hatten die Fotos dieselbe Bedeutung für sie wie für mich.

Sie gaben uns Abstand, sogar eine Pause vom Krebs. Es gab immer viel zu lachen, als wir die Aufnahmen machten, und meine Frau lachen zu sehen, macht mich immer glücklich.

 

Bitte erzählen Sie uns Ihre Liebesgeschichte. Wann haben Sie Ihre Frau das erste Mal getroffen und wie ging es weiter? 

Ich habe Linda bei der Weihnachtsfeier eines Freundes kennengelernt. Sie hat mich augenblicklich verzaubert und ich bemerkte nicht nur ihr wundervolles Lächeln, sondern mir gefiel auch der rote Hut, den sie trug. Wir haben uns nicht sofort verabredet, sondern erst so drei bis vier Monate später. Wir wussten, dass wir heiraten wollten, aber wir hatten es nicht eilig.

Zwei Jahre später feierten wir dann eine kleine Hochzeit in Michigan, in Lindas Heimatstaat. Linda stammt aus einer großen Familie, also so klein war die Hochzeit daher eigentlich doch nicht. Als wir nach Arizona zurückkehrten, hatte meine Mutter ebenfalls eine große Party für uns organisiert. Wir fühlten uns geliebt. Das war eine sehr glückliche Zeit.

 

Wie hat die Krankheit ihr gemeinsames Leben verändert?

Es hat unser Leben völlig auf den Kopf gestellt, aber mir ist jetzt stärker bewusst, wie wichtig es ist, das Leben in vollen Zügen zu genießen, Spaß zu haben und jeden Augenblick mit der Familie und Freunden wertzuschätzen.

 

Sind sie durch die Krankheit enger zusammengewachsen als Paar?

Der Krebs hat uns definitiv verändert. Wir gestalten unser gemeinsames Leben sehr bewusst und arbeiten daran. Natürlich stehen wir dabei denselben Herausforderungen gegenüber wie jedes andere Paar auch.

 

Können Sie uns etwas über Lindas aktuelle Krebsprognose sagen?

Lindas Fokus liegt nicht auf dem Wort Prognose. Ihr Krebs ist nicht heilbar, aber behandelbar. Sie wird immer auf Chemotherapie angewiesen sein. Aber sie lebt ein erfülltes Leben.

 

Als Sie es das Tutu-Projekt auf Facebook posteten waren die Reaktionen überwältigend. Waren Sie überrascht über die weltweite Aufmerksamkeit?

Absolut. Linda hat einen Businessplan geschrieben und geplant, eine gewisse Menge Geld zu beschaffen, um Ballerina selbst veröffentlichen zu können. Der Absatz stellte die größte Herausforderung dar. Als das Projekt aber bekannt wurde, hatten wir plötzlich so viele Möglichkeiten für den Absatz und eine große mediale Präsenz. Es war phänomenal.

 

Haben Frauen und Männer unterschiedlich reagiert? 

Ja, die meisten Frauen lieben das Projekt. Diese Geschichte von Hoffnung und Inspiration berührt sie. Männer sind zurückhaltender und dieser Mann, der durch die Welt reist und Fotos von sich im rosa Tutu macht ist ihnen suspekt.

Aber ich glaube, die Haltung der Männer verändert sich. Wir erhalten mehr und mehr Fotos von Männern im rosa Tutu, vor allem als Unterstützung bei Spendengalas für Frauen mit Brustkrebs.

 

In wie vielen Ländern sind Sie gewesen, um Fotos zu machen? Wie viele Fotos haben Sie veröffentlicht?

Wir waren in Italien und Deutschland. Ich habe über 200 Bilder gemacht und ich glaube, ich habe die meisten veröffentlicht.

 

Vor kurzem waren Sie in Berlin. Wie war es? 

Berlin war großartig! Die Leute waren so freundlich und offen, viele hielten uns auf der Straße an, um ins Gespräch zu kommen. Das Interesse war groß. Für Linda und mich ist das der wichtigste Aspekt unseres Projekts.

 

In Ihrer Ausstellung in Berlin wurde ein Film gezeigt, in dem Sie über den Einfluss der Fotos auf andere Krebspatienten im Krankenhaus gesprochen haben. War das der Auslöser um damit an die Öffentlichkeit zu gehen?

Unser Ziel war von Anfang an, Krebspatienten und Ihre Familien zu erreichen, unabhängig davon ob sie sich noch in Behandlung befinden oder nicht mehr.

 

Haben Sie neue Aktivitäten zum Tutu-Projekt in die Wege geleitet? 

Vorerst werde ich weitere Bilder schießen und Linda, die Mitgestalterin des Projektes ist, wird mit unserer Managerin Marcela Möglichkeiten erarbeiten, das Projekt weiter auszubauen. Es passiert immer etwas, Spendensammlungen, Vorträge auf Konferenzen usw.

Wir haben uns letztes Jahr freigenommen, um ausschließlich an diesem Projekt zu arbeiten. In diesem Jahr liegt das Augenmerk wieder auf unserem Berufsalltag. Es ist Zeit zu einer Fotografie zurückzukehren, bei der ich nicht im Mittelpunkt stehe.

 

Wie ist der aktuelle Stand Ihrer Stiftung?

Wir sind sehr begeistert, dass die Carey Foundation ständig wächst.

 

Wofür werden die Spenden genutzt?

Wir haben uns mit Brustkrebsorganisationen, die die gleiche Mission verfolgen wie wir, zusammengetan und sie helfen uns, die Spenden zu verteilen. Auf dem folgenden Blog finden Sie genauere Informationen: www.careyfoundation.org