Die Frauen der Babyboomer-Generation von 1960 bis 1965 sind im Wechsel. Deutsche Frauen erleben zwischen 52 und 54 Jahren die Menopause – ihre letzte Monatsblutung. Zu diesem Zeitpunkt sind alle Eizellen in den Eierstöcken aufgebraucht.

Doch viele Frauen spüren die Menopause schon Jahre davor. Experten sprechen daher von der Perimenopause (die Vorsilbe „peri“ bedeutet „um/herum“), die neuen Studien zufolge bereits zehn Jahre vor dem Wechsel einsetzen kann.

Um die Symptome zu lindern, sind nicht immer Medikamente nötig: Schon regelmäßige Bewegung und Entspannungstechniken wie Yoga oder autogenes Training helfen

Die Wechseljahre sind – nach der Pubertät – die zweite hormonbewegte Phase im Leben einer Frau. Sie ist gekennzeichnet von Hitzewallungen, Schweißausbrüchen, Muskel- und Gelenkschmerzen, Schwindelgefühlen oder Schlafstörungen. Letztere machen zudem nervös und reizbar.

Frauen in der frühen Perimenopause klagen unter Umständen über Spannungen in der Brust, gefolgt von unregelmäßigen, starken Blutungen. In der späten Phase mit Übergang zur Postmenopause kommen bei vielen auch trockene Schleimhäute an Augen, Mund und Intimbereich vor.

Hormone auf der Achterbahn

Grund für die Beschwerden sind dramatische Hormonveränderungen, die lange vor der letzten Menstruation einsetzen – und erst seit Kurzem ins Blickfeld der Medizin gerückt sind. In den Jahren vor dem Wechsel produziert der Körper mehr follikelstimulierendes Hormon (FSH), das in den Eierstöcken die Produktion von Östrogen anregt.

Spannungsgefühle und Wassereinlagerung sind dementsprechend keine Folge von Östrogenmangel, sondern eines Überschusses. Betroffene Frauen haben erhöhte Estradiolspiegel, die bis zu 1.000 pg/ml erreichen können – normal sind 150 bis 400 pg/ml um den Eisprung herum.

Der körpereigene Östrogen-Gegenspieler Progesteron dagegen, nur nach einem Eisprung erhöht, nimmt bei Frauen in dieser Lebensphase deutlich ab – ein Mangel, der zu Schlafstörungen führen kann.

Hormontherapie: Chancen und Risiken

Die Vorstellung, dass ein Östrogenüberschuss Beschwerden verursacht, ist noch nicht im ärztlichen Alltag angekommen. Um die Symptome zu lindern, sind nicht immer Medikamente nötig: Schon regelmäßige Bewegung und Entspannungstechniken wie Yoga oder autogenes Training helfen, den Körper wieder in „Balance“ zu bringen. Auch Extrakte aus Traubensilberkerze, Johanniskraut und Salbei können Linderung bringen. Koffein, Alkohol und scharfe Speisen sollten Betroffene meiden.

Für jede dritte Patientin reichen diese Mittel jedoch nicht aus. Studien zeigen, dass Hormontherapie eine wirkungsvolle Alternative ist, die Hitzewallungen und Schweißausbrüche um 80 Prozent vermindert. Viele Frauen fürchten aber die Nebenwirkungen, vor allem weil eine Hormontherapie das Brustkrebsrisiko erhöhen soll.

Tatsächlich wird aber nur bei einer von 1.000 Frauen, die für zehn Jahre eine Hormontherapie erhalten haben, ein Brustkrebs festgestellt, der auf die Therapie zurückzuführen ist. Die jährlichen Risiken durch kombinierte Hormontherapie für Thrombose/Lungenembolie und Gallenblasenentzündung liegen bei 1,7 und 2,0 pro 1.000 Frauen.

Das Schlaganfallrisiko durch Hormontherapie beträgt 1,2 pro 1.000 Frauen, hängt aber stärker noch vom Blutdruck ab. Vor und während einer Hormontherapie sollte daher auch der Blutdruck gemessen werden.