Als Betroffene freut man sich, dass überhaupt einmal über Endometriose berichtet wird, denkt sich jedoch zugleich: Höchste Zeit, mit ein paar Gerüchten aufzuräumen.

Endometriose ist keine Gebärmutterschleimhaut

Endometriose nennt man es, wenn Zellen, die solchen Zellen ähneln, die man sonst nur in Gebärmutter oder Eileitern findet, außerhalb dieser Bereiche vorkommen. Man hat sie schon fast überall im Körper nachweisen können, sogar in Lunge oder Gehirn. Selbst bei Kleinkindern und Föten sowie im Hodengewebe von Männern nach Östrogenbehandlung wurden sie schon entdeckt.

Aktive Endometrioseherde kommen im Großteil der Fälle im kleinen Becken von Frauen im gebärfähigen Alter vor. Die meisten Herde werden durch das weibliche Hormon Östrogen aktiviert. Es gibt Endometrioseherde, die der Gebärmutterschleimhaut ähnlich sind und in Abhängigkeit zu den Hormonen des Zyklus mit Entzündungen und Blutungen reagieren. Andere Endometrioseherde erinnern nur noch entfernt an Gebärmutterschleimhaut und sind in ihrer Aktivität unabhängig vom hormonellen Geschehen. Endometriose hat generell eine andere mikroskopische Struktur als Gebärmutterschleimhaut und ist mit dieser nie identisch.

Endometriose wird erst durch die Symptomatik zur Krankheit

Endometriosegewebe hat nicht immer einen Krankheitswert. Es gibt Frauen mit ausgedehnten Endometrioseherden, die zeit ihres Lebens nichts davon mitkriegen. Bereiten die Herde allerdings Probleme, bezeichnet man mit Endometriose auch die Frauenerkrankung, die dadurch entsteht. Schätzungen gehen davon aus, dass jede zehnte Frau betroffen ist. Somit ist Endometriose keine seltene Erkrankung. Warum die Probleme – einzeln oder zusammen – auftreten, das weiß noch niemand:

  • Innere Entzündungen
  • Innere Blutungen
  • Verwachsungen
  • Schmerzen
  • Unfruchtbarkeit
  • Wucherndes Wachstum mit Verdrängen von und/oder Eindringen in anderes Gewebe oder Organe (Eingriffe an Eierstöcken, Darm und Blase bei Endometriose sind keine Raritäten.)

Endometrioseschmerzen sind keine Regelschmerzen

Die meisten Endometrioseherde verursachen während der Menstruation heftige Schmerzen. Genau genommen handelt es sich dabei nicht um Menstruationsschmerzen. Sie treten bei den Herden mit hormonabhängigem Aktivitätsmuster meist nur parallel zu den eigentlichen Regelschmerzen auf. Manche Betroffene überfällt der Schmerz durchaus unabhängig von der Periode. Und wir sprechen hier zum Teil von Schmerzen, die in ihrer Intensität mit Schmerzen eines Herzinfarktes oder mit Wehen verglichen werden.

Endometriose hat nicht immer mit Menstruation zu tun

Auch wenn dieser heftige Schmerz parallel zur Menstruation eines der häufigsten Symptome ist, so gibt es doch Betroffene, die noch nie starke Menstruationsschmerzen hatten, dafür aber beispielsweise mehrfach wegen Verdachts auf Blinddarm eingeliefert wurden. Manche Betroffene haben die Schmerzen vor allem während oder nach dem Geschlechtsverkehr. Nicht immer ist der Schmerz die Hauptsymptomatik. Manchen fällt etwa erst auf, dass etwas nicht stimmt, wenn sich die Erfüllung des Kinderwunsches nicht einstellen will oder eine Nierenstauung festgestellt wurde, der man auf den Grund gehen will. Es gibt nicht das eine spezifische Endometriosesymptom. Daher dauert es im Schnitt immer noch sieben Jahre bis zur Diagnose. Bis heute kann man Endometriose nur durch eine Gewebeprobe nach endoskopischem Eingriff nachweisen.

Die Entfernung von Gebärmutter und Eierstöcken heilt eine Endometriose nicht unbedingt

Man weiß noch nicht genau, wie Endometriose entsteht. Eine Theorie geht von einer Art Verschleppung der Zellen aus der Gebärmutter über das Menstruationsblut aus. Eine andere Theorie besagt, dass sich die Zellen an Ort und Stelle umwandeln. Dafür würde sprechen, dass auch Frauen an Endometriose erkranken können, die von Geburt an keine Gebärmutter haben. Jedenfalls ist die Gebärmutter nicht zwingend die „Quelle“ der Endometriose und somit die Gebärmutterentfernung keine Garantie, dass sie nicht wiederkommt. Auch nach Entfernung der Eierstöcke zur Unterdrückung der Östrogenproduktion gibt es keine hundertprozentige Garantie. Die Endometriose greift nämlich zu einem gemeinen Trick und produziert ihr eigenes Östrogen, das ihr Wachstum wieder begünstigen kann.

Endometriose kann nicht mit Hormonen geheilt werden

Da die Ursachen der Endometriose unbekannt sind, gibt es noch keine Therapie und keine Substanz, die sie heilen könnte. Selbst nach gründlicher Operation kommen die Herde oft wieder. Mit derzeitigen Mitteln behandelt man die Symptome. Zum Einsatz kommen Schmerzmedikamente und/oder Hormonpräparate. Doch nicht alle Formen der Endometriose sprechen auf eine Hormonbehandlung gut an. Setzt man die Hormone wieder ab, blühen die Herde oftmals wieder auf. Für viele Frauen sind die Hormone durch zum Teil heftige Nebenwirkungen auch keine Dauerlösung.

Als Betroffene wünscht man sich nichts sehnlicher, als dass die Forschung vorangetrieben und endlich eine Therapie für die Endometriose gefunden wird. Denn die Krankheit beeinträchtigt Leben und Lebensqualität oftmals in einem Ausmaß, das sich Nichtbetroffene nur schwer vorstellen können. Vor allem, wenn sie Bilder von Frauen in Feinrippunterwäsche vorgehalten bekommen und Endometriose nur zu einem anderen Wort für Regelschmerzen wird. Da verwundert es wenig, dass man als Betroffene oft hört: „Stell dich nicht so an, Menstruationsschmerzen habe ich auch ...!“

Informationen

Informationen und Beratung zur Endometriose gibt es bei der Endometriose-Vereinigung Deutschland: www.endometriose-vereinigung.de.

Zur Autorin: Martina Liel ist selbst Betroffene. Auf ihrem Blog endobay.de schreibt sie über ein Leben mit Endometriose. Ihr Buch „Nicht ohne meine Wärmflasche – Leben mit Endometriose“ ist im März 2017 im Komplett-Media Verlag erschienen.