Enthaltsamkeit ist bekanntlich die beste Verhütungsmethode. Aber auch die langweiligste. Nicht umsonst ist stattdessen die Anzahl der Methoden in den vergangenen 50 Jahren erheblich angestiegen.

Mehr als die Hälfte aller Erwachsenen greift nach einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zur Pille als Empfängnisverhütungsmittel. Danach folgen das Kondom mit 36 und die Spirale mit elf Prozent. Deutlich seltener sind der Vaginalring oder die Dreimonatspritze mit je zwei Prozent.

Pearl-Index

In Sachen Sicherheit kommt aber erst mal ein Mann ins Spiel: Der amerikanische Biologe Raymond Pearl gab dem sogenannten Pearl-Index seinen Namen. Als statistischer Wert benennt er die Zahl der ungewollten Schwangerschaften, die eintreten, wenn hundert Frauen ein Jahr lang ein bestimmtes Verhütungsmittel anwenden. Je niedriger der Index, desto höher ist die Sicherheit.

50 Prozent der deutschen Frauen greifen auf die Pille zur Verhütung zurück.

Für die Pille liegt er beispielsweise bei 0,1 bis 0,9, beim Kondom bei 2 bis 12 oder beim Vaginalring bei 0,4 bis 0,64. Verhüten Frauen überhaupt nicht, erhöht sich der Wert auf 80.

Unterschiedliche Inhaltsstoffe kommen gerade bei den beliebten hormonellen Verhütungsmethoden wie Antibabypille, Vaginalring oder Hormonpflaster zum Einsatz. Sie enthalten die Hormone Östrogen und Progesteron, ein sogenanntes Gestagen. Beide sorgen jeweils für die Sicherheit bei der Verhütung. In Kombinationspräparaten sind beide enthalten.

Östrogenfreie Pillen

Der Trend geht bei Verhütungsmitteln jedoch inzwischen verstärkt zu einer möglichst geringen Dosis an Hormonen – sowohl bei der Pille als auch bei anderen Verhütungsmethoden, die Östrogen und Gestagen verwenden. Neu sind dabei Kombinationspräparate mit körpernahen Östrogenen, die denjenigen im weiblichen Körper gleichen.

Die östrogenfreie Pille bietet ein Zwölf-Stunden-Fenster, in dem die Einnahme einer vergessenen Pille bis zu zwölf Stunden später als der geplante Zeitpunkt möglich ist. Damit ist sie erheblich zuverlässiger als die Minipille, die täglich innerhalb eines Zeitrahmens von drei Stunden eingenommen werden muss.

Bei der Einnahme von östrogenfreien Pillen entfällt die Pillenpause.

Sie kann außerdem bedenkenlos während der Stillzeit eingenommen werden, denn sie beeinflusst weder die Menge noch die Qualität der Muttermilch. Anders als die Kombinationspille, bei der nach 21 Tagen eine siebentägige Pillenpause notwendig ist, wird die östrogenfreie Pille 28 Tage lang durchgenommen.

Hinzu kommt vor allem: Nicht alle Frauen vertragen Östrogene gut. Viele leiden parallel unter Brustspannen, Kopfschmerzen oder Gewichtszunahme. Besonders Raucherinnen, ältere Frauen oder stillende Mütter haben als Risikogruppen mit der östrogenfreien Pille eine Alternative.

Gefährdete Risikogruppen

Östrogene haben außerdem einen großen Einfluss auf die Entstehung von Thrombosen. Da Frauen einen höheren Östrogenspiegel haben, sind sie naturgemäß gefährdeter. Zwar ist das Gesamtrisiko, dass ein Blutgerinnsel nach der Einnahme der Pille mit Östrogenen auftritt, eher gering. Auf der anderen Seite können Blutgerinnsel schwerwiegend und in sehr seltenen Fällen sogar tödlich sein.

Thrombosegefahr durch Pilleneinnahme muss nicht sein.

Erhöht ist das Risiko, wenn Frauen stark übergewichtig und älter als 35 Jahre sind, wenn sie rauchen oder einer der nächsten Angehörigen bis zum Alter von 50 Jahren unter Thrombosen litt. Auch Frauen, die gerade operiert wurden, einen längeren Zeitraum im Bett oder auf einer langen Reise im Flugzeug zugebracht haben, sollten auf mögliche Anzeichen achten. Vor der Verordnung der Pille sollte der Arzt daher nach möglichen Risiken fragen und erst dann die individuell richtige Methode verschreiben.