Was ist die „Pille Danach“? Wann kann/sollte diese angewendet werden?

Die „Pille Danach“ ist eine Notfallmaßnahme. Sie kann angewendet werden, wenn wegen einer Verhütungspanne für die Frau die Gefahr besteht, schwanger zu werden. Panne kann bedeuten, dass ein Kondom verrutscht, die Einnahme der Pille vergessen wurde oder das Paar ungeplanten Geschlechtsverkehr hatte.

Die Einnahme der „Pille Danach“ soll möglichst schnell nach der Panne erfolgen.

Eine Schwangerschaft kann nur entstehen, wenn eine Frau ihren Eisprung hat. Ist dieser noch nicht erfolgt, verschiebt die „Pille Danach“ den Eisprung, so dass das Zusammentreffen von befruchtungsfähiger Eizelle und Spermien und somit auch eine Schwangerschaft verhindert werden kann.

Da der Eisprung nicht exakt vorhersagbar ist und Spermien bis zu fünf Tage überlebens- und befruchtungsfähig sind, gehen wir davon aus, dass über mehr als die  Hälfte des Monatszyklus ein Schwangerschaftsrisiko besteht. Die Einnahme der „Pille Danach“ soll möglichst schnell nach der Panne erfolgen, die beste Wirksamkeit besteht innerhalb der ersten 24 Stunden.

Was sagen Sie gegen ethische Bedenken?

Die „Pille Danach“ ist keine Abtreibungspille! Da der Eisprung verschoben wird, kann zu diesem Zeitpunkt keine Befruchtung erfolgen, da kein befruchtungsfähiges Ei vorhanden ist. Es besteht auch keine Gefahr einer Abtreibung, sollte die Frau bereits unwissentlich schwanger sein. Das zeigen auch Studien.

Für die Apotheke dürfen ethische Überlegungen keine Rolle bei der Beratung spielen. Wir entscheiden über eine sinnvolle Abgabe an Hand von objektiven Kriterien.

Seit März 2015 ist die „Pille Danach“ ohne Rezept zu erwerben. Aus Ihrer Sicht, wie wichtig war dieser Schritt? Was sagen Sie Kritikern, die eine Auswirkung auf den Umgang mit Verhütung befürchtet haben?

Die Freigabe der „Pille Danach“ durch die EU-Kommission soll Frauen helfen, nicht ungewollt schwanger zu werden. Da die „Pille Danach“ jetzt direkt in der Apotheke erhältlich ist, kann eine schnelle Einnahme erfolgen, die sehr wichtig für die Wirksamkeit ist. Für Frauen, die nach einer Verhütungspanne nicht schwanger werden wollen, ist dies deshalb ein sehr wichtiger Schritt.

Zwei Jahre nach der Freigabe ist ein verantwortungsvoller Umgang mit der „Pille Danach“ erkennbar

Zusätzliche Wartezeiten bei Ärzten oder in Krankenhäusern entfallen. Zwei Jahre nach der Freigabe ist ein verantwortungsvoller Umgang mit der „Pille Danach“ erkennbar, das reguläre Verhütungsverhalten hat sich nicht verändert. Weiterhin weisen wir in der Apotheke nochmals auf eine sinnvolle beziehungsweise korrekte Verhütung hin.

Da das Gespräch mit dem Arzt ja jetzt wegfällt, sind Sie der erste Ansprechpartner. Wie läuft ein Beratungsgespräch in der Apotheke ab? Gibt es bestimmte Voraussetzungen, die erfüllt werden müssen, um die „Pille Danach“ zu erhalten?

Die Apotheken orientieren sich bei den Beratungen zur Abgabe der „Pille Danach“ an Beratungsleitlinien der Bundesapothekerkammer. Fragen nach der Art der Verhütungspanne, der Pille, die regulär eingenommen wird oder Erkrankungen, die die Frau eventuell hat, gehören dazu.

Diese Beratung erfolgt selbstverständlich vertraulich. Wenn keine Notwendigkeit zur Anwendung der „Pille Danach“ besteht – zum Beispiel wenn die Kundin noch innerhalb des Zeitfensters ist, in dem sie ihre reguläre Pille nachnehmen kann – geben wir diese nicht ab.

Erfahren Sie hier mehr über die Pille Danach.