Sei es, um das allgemeine Wohlbefinden und die Lebensqualität zu steigern oder um einen eigenen aktiven Beitrag zur Krankheitsheilung zu leisten, es nutzen immer mehr Patientinnen die Möglichkeiten der komplementären Therapieverfahren sowohl bei Bagatellerkrankungen als auch bei schwerwiegenden Erkrankungen wie Krebs. Die Menschen sind von der Wirksamkeit und Richtigkeit komplementärer und alternativer Heilmethoden überzeugt und erwarten, dass diese Verfahren und Mittel schonend und ungefährlich sind.

Die Begrifflichkeiten alternative Medizin beziehungsweise komplementäre Medizin müssen klar getrennt werden. Als alternative Medizin werden in der Regel Praktiken bezeichnet, die nicht evidenzbasiert sind und nicht als richtig, angemessen oder geeignet anerkannt werden oder nicht mit den Überzeugungen der dominierenden Gruppe der Ärzteschaft in einer Gesellschaft übereinstimmen. Sie werden anstatt („alternativ“) einer Standardbehandlung durchgeführt, gelten häufig als umstritten oder als Außenseitermethoden und sind gerade bei alleiniger Anwendung bei ernsthaften Erkrankungen gefährlich. Vor alternativen Therapieverfahren muss deswegen aus ärztlicher Sicht gewarnt werden.

Die Integrative Medizin ist als ein ganzheitliches Konzept zu verstehen, bei dem die wissenschaftliche, evidenzbegründete Schulmedizin mit der komplementären, zumeist erfahrungsbegründeten Medizin vereint wird. Sinnvolle komplementäre Methoden, deren Erkenntnisgewinne häufig durch Erfahrungen und andere Wissensgewinnmethoden begründet sind, werden in Ergänzung zur konventionellen Schulmedizin parallel eingesetzt. Die Integrative Medizin ist ein ganzheitliches Konzept, das nicht nur die Erkrankung der Patientin behandelt, sondern den Menschen mit der Erkrankung.

Es ist Aufgabe des Arztes, der Patientin ausführlich und wertfrei die Möglichkeiten und besonders die Grenzen und Gefahren der eingesetzten Präparate und Therapien im Rahmen der Integrativen Medizin zu vermitteln.

 „Die Natur ist die beste Apotheke“ (Sebastian Kneipp). So lapidar dies klingen mag, Naturheilverfahren und komplementäre Therapien können Symptome von Erkrankungen und schulmedizinischen Therapien lindern, die Lebensqualität verbessern und sogar präventiv der Vorbeugung von Erkrankungen dienen. Gerade deswegen gewinnt die Integrative Medizin auch von ärztlicher Seite immer mehr Zuspruch und ist längst Bestandteil der modernen Medizin.

In der Frauenklinik des Universitätsklinikums Erlangen werden Patientinnen in verschiedenen Bereichen wie Geburtshilfe, Gynäkologischer Onkologie oder bei gutartigen Erkrankungen klassische Naturheilverfahren und andere Verfahren der Komplementärmedizin ergänzend zur konventionellen Schulmedizin angeboten. In einer eigens hierfür eingerichteten Spezialsprechstunde für Integrative Medizin erhalten Patientinnen eine individuelle Beratung zu komplementären Therapieverfahren und nach Prüfung von Arzneimittelwechselwirkungen ein ganzheitliches Therapiekonzept. Den Patientinnen werden somit die größtmögliche Sicherheit und eine standardisierte Qualität in der Integrativen Medizin geboten.

Es ist Aufgabe des Arztes, der Patientin ausführlich und wertfrei die Möglichkeiten und besonders die Grenzen und Gefahren der eingesetzten Präparate und Therapien im Rahmen der Integrativen Medizin zu vermitteln. Nur so ist ein sinnvoller Einsatz von komplementären Methoden in der Medizin gewährleistet und kann verhindert werden, dass Patientinnen übertriebenen oder falschen Versprechungen vertrauen.

Wenn definierte Grenzen, insbesondere die Sicherheit der Patientin betreffend, eingehalten, zweifelhafte Methoden kritisch hinterfragt und geeignete Methoden den üblichen medizinischen Regeln folgend angewandt werden, bietet die Integrative Medizin ergänzende Möglichkeiten, den Genesungsprozess beziehungsweise Gesundheitszustand der Patientinnen zu verbessern sowie den Menschen mit seiner Erkrankung ganzheitlich und individuell zu behandeln.