Für Frauen zwischen 30 und 50 Jahren ist die Brusttastuntersuchung durch den Gynäkologen die einzige Früherkennungsmaßnahme, sie wird jedoch häufig nicht nach standardisierten Abläufen und oft unter Zeitdruck durchgeführt. Aus diesem Grund wurde das gemeinnützige Unternehmen discovering hands® gegründet, um die Brustkrebsfrüherkennung zu verbessern.

Das Konzept: Blinde und sehbehinderte Menschen haben einen verfeinerten Tastsinn und finden deshalb kleinere Knoten als Ärzte. Die Qualifizierung zur Medizinischen Tastuntersucherin (MTU) erfolgt nach einer Eignungsprüfung und dauert neun Monate. 30 MTU arbeiten inzwischen in diesem Beruf. Interview mit der Medizinischen Tastuntersucherin Katrin Kasten.

Wie haben Sie von discovering hands erfahren? Wie kam es dazu, dass Sie selbst eine Expertin wurden?

Durch einen Unfall erkrankte ich 2004 an meinen Augen. Als meine Tochter drei Jahre alt war, wollte ich natürlich gern ins Berufsleben zurück. Ich erkundigte mich im Berufsförderungswerk (BFW) Düren, welche Möglichkeiten es für mich geben könnte. Ich bin ausgebildete Industriekauffrau und habe meinen Bilanzbuchhalter auf der Abendschule gemacht. In Düren sprach man mich dann auf die Qualifikation als Medizinische Tastuntersucherin an.

Den ersten Satz „Haben Sie ein Problem mit Frauen, und könnten Sie sich vorstellen, deren Brüste anzufassen?“ werde ich nie vergessen (lacht). Ich war sehr schnell von der Idee discovering hands begeistert und entschied mich schnell für diese Qualifikation.

Wie kann man sich eine solche Untersuchung vorstellen?

Eine MTU-Untersuchung dauert etwa 35 Minuten und wird in angenehmer, persönlicher Atmosphäre durchgeführt. Die Kosten von 46,50 Euro tragen einige Krankenkassen, viele Patientinnen investieren diese Summe selbst in ihre verbesserte Gesundheitsvorsorge.

An wen richtet sich die Untersuchung?

Grundsätzlich bietet sich diese Form der Brustuntersuchung für alle Frauen an. Interessierte Frauen können sich direkt an eine der teilnehmenden Praxen wenden. Auf www.discovering-hands.de finden sie eine Übersicht der kooperierenden Praxen, Zentren und Kliniken.

Wird die Untersuchung von der Krankenkasse übernommen?

Im Regelfall ist die Untersuchung eine Individuelle Gesundheitsleistung. Allerdings haben schon gut acht Millionen Frauen (2,1 Millionen privat Versicherte und 5,9 Millionen gesetzlich Versicherte) in Deutschland ein Anrecht auf volle Kostenerstattung/Direktabrechnung durch ihre Krankenkassen.

Wenn Sie ein Geschwür ertasten, wie bringen Sie dies der Patientin bei?

Wenn ich eine Unregelmäßigkeit in der Brust ertaste, dann ziehe ich meine Chefin, die Frauenärztin Dr. Indefrei, hinzu. Sie entscheidet dann den weiteren Weg, ob ein Ultraschall und weiter dann eine Mammografie erforderlich ist. Ich kann jedoch sagen, dass mehr als 95 Prozent von den durch mich ertasteten Gewebeveränderungen harmlos sind.