Heute können durch eine moderne, interdisziplinäre Behandlung durchschnittliche Überlebenszeiten von circa drei Jahren erreicht werden. In Einzelfällen beträgt die Überlebenszeit zehn Jahre und länger bei guter Lebensqualität.

Wichtigste Therapieziele sind die Erhaltung oder Verbesserung der Lebensqualität und die Linderung tumorbedingter Beschwerden. Die Wahl der Therapie orientiert sich an den Wünschen und Bedürfnissen, dem Allgemeinzustand und den Begleiterkrankungen der Patientin, der Aggressivität der Erkrankung und deren Vorbehandlung. Da sich ein metastasierter Brustkrebs schon im ganzen Körper ausgebreitet hat, ist die medikamentöse Therapie die Hauptsäule der Behandlung.

Es stehen zellwachstumhemmende (zytostatische) sowie zielgerichtete, das heißt gegen definierte Moleküle wirksame Therapien zur Verfügung. Bei Auftreten der Metastasen sollte die Expression des Östrogenrezeptors (estrogen receptor, ER) und des humanen epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptors (HER) 2 nochmals am Metastasengewebe bestimmt werden. Bei Nachweis des ER ist in der Regel zunächst eine endokrine, das heißt gegen den ER gerichtete Therapie das Mittel der Wahl. Hier werden neben den direkt am ER angreifenden Substanzen (Tamoxifen, Fulvestrant) die Aromatasehemmer (Anastrozol, Letrozol, Exemestan) eingesetzt, die nach Eintritt der Menopause den Östrogenspiegel weiter absenken.

Um in Zukunft zügiger Fortschritte zu machen, müssen therapierelevante Brustkrebssubtypen besser definiert und charakterisiert werden.

Diese Substanzen werden häufig mit Medikamenten kombiniert, die Resistenzmechanismen unterdrücken, wie dem Cyclin-D-Kinase-(CDK-)4/6-Hemmer Palbociclib oder dem mammalian-target-of-rapamycin-(mTOR-)Hemmer Everolimus. Hierdurch kann die Zeit bis zum Therapieversagen um mehrere Monate verlängert werden. Bei HER2-Überexpression wird durch eine gegen HER2 gerichtete Therapie das Überleben signifikant verlängert. Zugelassen sind die Anti-HER2-Antikörper Trastuzumab und Pertuzumab, das Immunotoxin Trastuzumab-Emtansin sowie der HER1/2-Kinaseinhibitor Lapatinib.

Als zielgerichtet wirksame Substanz bei fehlender HER2-Expression steht in Europa Bevacizumab zur Verfügung, ein Antikörper gegen den vaskulären Wachstumsfaktor VEGF (vascular endothelial growth factor). Mehr als die Hälfte aller Patienten mit gestreutem Brustkrebs entwickeln Knochenmetastasen, die zu Komplikationen am Skelett führen können. Durch Bisphosphonate oder den RANKL-Antikörper Denosumab wird das Auftreten von Komplikationen am Skelett verzögert beziehungsweise verhindert. Lokale Therapiemaßnahmen wie Strahlentherapie oder Operationen werden beim metastasierten Brustkrebs nur bei lokalen Problemen wie zum Beispiel bei Frakturgefahr oder konservativ nicht beherrschbaren Knochenschmerzen empfohlen.

Um in Zukunft zügiger Fortschritte zu machen, müssen therapierelevante Brustkrebssubtypen besser definiert und charakterisiert werden. Eine umfassende molekulare Charakterisierung des individuellen Tumors und auch des individuellen Patienten ist erforderlich. Parallel zur Erprobung jeder neuen Substanz ist ein Marker zu etablieren, der ein Ansprechen auf diese Substanz spezifisch vorhersagt.

Nur so werden die Patienten identifiziert werden können, die von der neuen Therapie profitieren. Zudem werden klinisch relevante Effekte bei wenigen Patienten nicht übersehen und die Wirtschaftlichkeit bleibt gewahrt. Die umfassende molekulare Charakterisierung des individuellen Tumors und der Patientin ermöglicht uns hoffentlich in Zukunft eine besser auf die einzelne Patientin und ihre Erkrankung zugeschnittene und damit wirklich personalisierte Therapie.