Moderne Multigensignatur-Tests bieten Kliniken und Patientinnen die Chance, das individuelle Rückfallrisiko nach einer Operation sicherer zu bestimmen und damit die Entscheidung für oder gegen eine Chemotherapie eindeutig treffen. Dazu ein Interview mit Dr. Rachel Würstlein, Geschäftsführende Oberärztin des Brustzentrums an der Universitäts- Frauenklinik München.

Für welche an Brustkrebs erkrankten Frauen eignen sich Genexpressionstests wie MammaPrint?

Wenn klinisch-pathologische Befunde bei einer Patientin mit Hormonrezeptor-positivem und HER2-negativem Mammakarzinom nicht ausreichen, kläre ich sie über die Chance auf, die moderne genomische Testverfahren bieten. Frauen mit einem solchen invasivem Brustkrebs im Frühstadium, bei denen nicht mehr als drei Lymphknoten befallen sind, helfen Genexpressionstests wie MammaPrint, ein individuelles optimales Behandlungskonzept zu definieren.

Wie funktioniert der Test und worin liegt der Nutzen für Arzt und Patientin?

Der MammaPrint-Test analysiert 70 spezifische Gene im Krebsgewebe und bewertet das Metastasierungsrisiko des Tumors und damit die Frage: „Wie wahrscheinlich ist es, dass der Krebs zurückkommen wird?“ Die sichere und eindeutige Einordnung in ein hohes oder niedriges Risiko hilft mir, gemeinsam mit der Patientin einen maßgeschneiderten Behandlungsplan zu erstellen.

Internationale medizinisch-wissenschaftliche Leitlinien empfehlen seit vielen Jahren die Durchführung dieser Genexpressionstests.

Wir können mithilfe des Tests sicherer feststellen, ob das Rückfallrisiko für die kommenden zehn Jahre so hoch ist, dass die Patientin neben einer Antihormontherapie auch zusätzlich von einer Chemotherapie profitiert. Dadurch können wir schätzungsweise jährlich etwa 10.000 Patientinnen in Deutschland unnötige Chemotherapien und ihre Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und Haarausfall ersparen.

Wie sieht der aktuelle klinische Alltag aus?

Internationale medizinisch-wissenschaftliche Leitlinien empfehlen seit vielen Jahren die Durchführung dieser Genexpressionstests, wenn klinisch-pathologische Daten keine eindeutige Aussage zulassen. Dennoch ist deren Umsetzung hierzulande noch nicht so etabliert, wie beispielsweise in den Niederlanden oder anderen europäischen Ländern.

Hier ist noch Informations- und Aufklärungsarbeit zu leisten. Die aktuellen AGO-Empfehlungen 2017 (Arbeitsgemeinschaft gynäkologische Onkologie) unterstützen den Einsatz dieser Testverfahren. Die Erstattungsfähigkeit ist in Deutschland noch nicht einheitlich geregelt, in den großen Brustzentren stehen den Patientinnen jedoch spezielle Programme zur Kostenregelung zur Verfügung.