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Herr Prof. Dr. Warm, welche Methoden des Brustwiederaufbaus gibt es?

Grundsätzlich zu unterscheiden sind die Brustrekonstruktion mit Silikonimplantaten und die Brustrekonstruktion mit Eigengewebe. Bei der Rekonstruktion mit Eigengewebe wird körpereigenes Gewebe aus einer anderen Körperstelle als der Brust, zum Beispiel aus der Unterbauchregion, entnommen. Bei der zweiten Methode, der Rekonstruktion der Brust mit Silikonimplantaten, können durch ein individuell angepasstes Implantat sehr gute und natürliche Ergebnisse erzielt werden.

Wo liegen die Vor- beziehungsweise Nachteile der Rekonstruktion mit Eigengewebe?

Wichtig ist, neben den medizinischen und pathologischen Kriterien, die Eignung der Körperregion, aus der das Gewebe entnommen wird. Bei sehr schlanken Frauen zum Beispiel, die über wenig Körperfett verfügen, ist diese Methode nicht zu empfehlen. Die Vorteile einer Eigengewebsrekonstruktion liegen sicherlich im sehr natürlichen, der Brust ähnlichen Verhalten, was die Weichheit des Gewebes, das Mitgehen bei Körperbewegungen und die Wärme anbelangt. Gewisse Nachteile liegen in der Größe des Eingriffs und dem Entstehen einer weiteren Operationsregion außerhalb der Brust, wo es zu weiterer Narbenbildung kommt, sowie in der sehr langen OP-Zeit von bis zu vier Stunden, die entsprechende Risiken birgt. Dies muss ausführlich und ernsthaft mit der Patientin diskutiert werden.

Worauf kommt es bei der Rekonstruktion mit Silikonimplantaten an? Wo liegen die Vor- beziehungsweise Nachteile?

Bei der Rekonstruktion mit Silikonimplantaten ist unter anderem die Auswahl eines qualitativ hochwertigen Implantats ausschlaggebend für ein langfristig sicheres Ergebnis. Aber auch ein erfahrener Operateur und eine sorgfältig durchgeführte OP sind wichtige Kriterien. Die Vorteile dieser Methode liegen klar darin, dass kein zweiter operativer Eingriff zur Entnahme von Eigengewebe erforderlich ist, das heißt keine neue Wundfläche und zusätzliche Narben entstehen. Darüber hinaus ist die Rekonvaleszenzzeitder Patientin wesentlich kürzer. Eventuelle Nachteile sind, verglichen mit Eigengewebe, eine festere Konsistenz der Brust und das Risiko von Komplikationen, wie das Drehen beziehungsweise Verschieben des Implantats, oder einer Kapselfibrose. Dem kann jedoch mit der Auswahl der Implantatbeschichtung entgegengewirkt werden. Mit Polyurethanschaum (PU) beschichtete Implantate zum Beispiel weisen extrem geringe Komplikationsraten auf und zeichnen sich durch eine besonders hohe Verträglichkeit aus.

Speziell beschichtete Implantate reduzieren mögliche Komplikationen auf ein Minimum. Sie werden ausschließlich in Deutschland hergestellt.

Herr Prof. Dr. Prantl, was unterscheidet diese speziell beschichteten Implantate von anderen Implantattypen?

Die meisten Brustimplantate aus Silikon haben eine glatte oder aufgeraute Oberfläche. Hingegen werden Implantate, die mit einer Beschichtung aus Polyurethanschaum (PU) versehen sind, derzeit nur in Deutschland hergestellt.

Die spezielle Oberflächenstruktur reduziert das Risiko einer Kapselfibrose deutlich. Darüber hinaus bleiben die Implantate durch ihre spezielle Haptik, einmal eingesetzt, an Ort und Stelle. Komplikationen und Re-Operationen, die durch eine Drehung oder Verschiebung des Implantats entstehen können, lassen sich somit ebenfalls vermeiden.

Was genau bedeutet das für die Patientin? Wo liegen die Vorteile?

Die Kapselfibrose gehört zu den häufigsten Komplikationen einer Brust-OP – vor allem bei begleitender Strahlentherapie. Diese mitunter schmerzhafte Verhärtung des Brustgewebes rund um das Implantat kann dazu führen, dass die Implantate ausgetauscht werden müssen. Laut aktueller Studienlage liegt die Komplikationsrate nach einer Strahlentherapie bei PU-Implantaten bei lediglich 10,5 Prozent1 – das ist wesentlich geringer als beim Einsatz anderer Implantate. Vor allem bei der Implantatrekonstruktion nach einer Strahlentherapie sind die Vorteile also immens, und es gibt für mich, abgesehen von körpereigenem Gewebe, keine bessere Option.

Kommt dieser Implantattyp für jede Frau und jede Indikation infrage?

Grundsätzlich ja, auch ohne vorangegangene Strahlentherapie profitieren die Patientinnen von den sehr geringen Komplikationsraten, da risikoreiche Re-Operationen vermieden werden können. Auch Patientinnen, die eine starke Kapselfibrose ausgebildet haben und deren Implantate aufgrund des Beschwerdebildes ausgetauscht werden müssen, operiere ich ausschließlich mit diesen speziellen Implantaten.  

Aktuell habe ich an meiner Klinik eine Studie abgeschlossen, in der 50 Patientinnen mit PU-Implantaten über einen Zeitraum von fünf Jahren mit einer neuen Ultraschalltechnologie nachuntersucht wurden. Die Ergebnisse sind hervorragend, bei keiner Patientin wurden Anzeichen einer Kapselfibrose oder andere Komplikationen festgestellt.