Die Argumente lauten, dass mit dieser Untersuchung Krebsbefunde übersehen werden können und dass manche Knoten, die zunächst als Krebs verdächtigt werden, sich später als harmlos herausstellen.

Beide Vermutungen sind richtig: Die Röntgenbilder, die bei der Mammografie erzeugt werden, sind sehr exakt. Aber bei Frauen mit einem dichten oder unregelmäßigen Brustgewebe kann es sein, dass kleine Veränderungen übersehen werden. Es können auch winzige Vorstadien von Krebserkrankungen entdeckt werden, die aber in vielen Fällen überhaupt nicht weiterwachsen würden und deshalb auch nicht operiert und bestrahlt werden müssen.

Das alles spricht nicht gegen die Mammografie, betont Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte. Aber es spricht dagegen, sich auf die Mammografie als einziges Verfahren zu stützen. Unbedingt ist der jährliche Tastbefund von Brust und Lymphknoten durch den Frauenarzt die Basis der Früherkennung. Und häufig ist es auch sinnvoll, den Ultraschall als zusätzliche Untersuchungsmethode hinzuzuziehen.

Das Brustgewebe wird in der Mammografie in vier Typen eingeteilt, entsprechend den Vorgaben des American College of Radiology (ACR):

  • ACR I – Überwiegend Fettzellen, kaum Drüsenanteile
  • ACR II – Wenige bindegewebig-drüsige Anteile
  • ACR III – Unregelmäßig strukturiertes, dichtes Drüsengewebe
  • ACR IV – Sehr unregelmäßig strukturiertes, sehr dichtes Drüsengewebe

Besonders bei ACR III und IV können mit der Mammografie allein Tumoren nicht mehr zuverlässig nachgewiesen oder ausgeschlossen werden. In diesen Fällen sollte immer ein Brust-Ultraschall zusätzlich durchgeführt werden; so empfehlen es die nationalen und internationalen Leitlinien.

„Es ist nicht verpflichtend, dass in dem Befundbericht des Mammografiescreening-Zentrums an die Frau der ACR-Typ mitgeteilt wird“, so Dr. Albring. Jede Frau kann aber selbst in dem Zentrum anrufen, in dem sie untersucht wurde. Sie hat ein Recht darauf zu erfahren, wie ihr Brustgewebe beurteilt wurde – ob ACR I, II, III oder IV. Diesen Befund kann sie anschließend mit ihrer Frauenärztin oder ihrem Frauenarzt besprechen und dann überlegen, ob ein zusätzlicher Ultraschall sinnvoll ist.