Die Emanzipation schenkte Frauen viele Triumphe. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Für viele bedeutet heute, Frau und Mutter zu sein, vor allem: sich beruflich zu verwirklichen, während man versucht, die weltbeste Mutter zu sein. Mit Anforderungen überfrachtet, verlieren sie im Dauerstress zuerst den Kontakt zum Körper. Kann auch der nicht mehr, folgen oft Angstzustände, Panikattacken oder Burn-out.

Zu viel anderes, zu wenig ich

Eine berufstätige zweifache Mutter schrieb mir einst, sie würde sich nicht mehr trauen, nichts zu tun und zu entspannen. Sie hatte das Gefühl, sie müsste stets abrufbar sein – zu Hause und im Job. Seit Wochen litt sie unter Erschöpfung und Panikattacken. Es begann mit Kopfschmerzen, Ein- und Durchschlafproblemen, Muskelverspannungen, Herzrasen, Allergien, Nahrungsunverträglichkeiten, Magen-Darm- und Kreislaufbeschwerden. Kurz darauf wurde ihre Haut „dünner“, Geräusche lauter, Licht greller, Menschen unerträglicher. Es folgten Gereiztheit, Aggressionen, Erschöpfung, Unlust, Müdigkeit und Aussichtslosigkeit. Doch sie funktionierte weiter – bis Panikattacken kamen.

Der Schatten hatte sie eingeholt: ein Gebräu aus Sollen und Müssen. Dem Kind Zuwendung und Liebe schenken, das Leben organisieren, im Job hübsch lächelnd 200 Prozent geben, Geld verdienen, jede freie Minute mit der Familie verbringen, für Einsernoten und eine gute Erziehung sorgen. Immer bereitwillig zurückstecken. Bloß nichts falsch machen oder die Kontrolle verlieren. Und zwischendrin Mensch und Frau bleiben.

Lieber explodieren als implodieren

Angst und Traurigkeit sind keine Feinde. Sie weisen auf ein gefährliches Ungleichgewicht hin und wollen gegen dein Funktionieren lenken, dich zurückholen – zu dir. Je länger wir unsere Gefühle ignorieren, desto härter werden ihre Schläge, um uns aufzuwecken.

In der Psychologie wird das englische Wort „fear“ (deutsch: Angst) als Akronym für „feeling excited and ready“ benutzt.

Als meine Leserin das verstand, wählte sie eine Wunderwaffe: sich selbst. Sie traf eine Entscheidung: Nur, was sie wirklich brauchte, durfte bleiben – trotz ihrer Angst vor dem Ungewissen und der Ungnade anderer. Sie sagte Ja zu sich und Nein zu anderen, überprüfte ihre Träume und warf einige in den Müll.

Um ihrem Körper und Geist Ruhe zu schenken, lernte sie Atem- und Entspannungstechniken (autogenes Training, progressive Muskelrelaxation), ging in die Natur, ernährte sich gesund (wenig Zucker, Tabak, Alkohol, Koffein), nutzte kurze, intensive Sporteinheiten (mit 7–10-Minuten-Sport-Apps), belebende Musik, nährende soziale Kontakte, Ausdruckstätigkeiten (zum Beispiel Tanzen, Singen) und Kreativität für die Seele.

Stressfrei leben beginnt im Kopf

In der Psychologie wird das englische Wort „fear“ (deutsch: Angst) als Akronym für „feeling excited and ready“ (sich aufgeregt und bereit fühlen) benutzt. Es ist ein Trick: Statt zu sagen, „Ich habe Angst!“, und sich hilflos zu fühlen, sagt man: „Ich bin aufgeregt und bereit!“ Aufgeregt zu sein, ist eine ähnliche Reaktion auf eine herausfordernde Situation wie Angst.

Trau dich, dich gegen fremde Ansprüche zu entscheiden.

Nur positiv. Auch wenn man nicht absehen kann, was geschieht: Man ist bereit. Im richtigen Moment auf seine Intuition zu hören statt auf den fordernden Chef oder die altkluge Schwiegermutter. Man ist bereit, aus dem Feuer des Alltags die wichtigsten drei, vier Menschen und Gegenstände zu retten – und den Rest verbrennen zu lassen.

Man ist bereit, hässliche Angriffe zu belächeln, besonders die eigenen auf sich selbst. Bereit, um Hilfe zu bitten, Fehler zu machen und Schwäche zu zeigen.

Erkenne dich

Als meine Leserin symptomfrei war, fragte ich sie, was ihr am meisten geholfen hatte. Sie sagte: „Erkenntnisse aus unseren Gesprächen: Bitte um Hilfe. Hinterfrage deine Perfektion und Karrierewünsche.

Sind sie echt oder bloßer Stolz? Besorg dir einen Job, der deinem Kind und dir Sicherheit und Zeit ermöglicht. Trau dich, dich gegen fremde Ansprüche zu entscheiden. Fordere dein Leben zurück und dann lebe – die Zeit, die du hast. Denn du hast sie.“

 

Information

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