Früher hatte sie dickes, volles Haar. Dann wurde es immer weniger. Manchmal fand sie morgens mehr als 100 Haare in der Bürste, berichtet die Betroffene. Verzweifelt zählte sie immer nach. Am liebsten hätte sie ihre Haare gar nicht mehr gekämmt.

Gehen pro Tag mehr als 100 Haare verloren, sprechen Ärzte von Haarausfall. Besonders Frauen leiden sehr darunter, gilt langes und gepflegtes Haar doch als Symbol für Jugendlichkeit, Schönheit und Gesundheit.

Frauen ab 50 besonders häufig betroffen

Rund 95 % der betroffenen Frauen leiden unter der sogenannten Androgenetischen Alopezie. Bei ihnen sind die Haarfollikel, die die Haarwurzeln umgeben, besonders empfänglich für männliche Hormone. Die wiederum verkleinern die Haarfollikel so weit, dass immer mehr Haare ausfallen. Grund ist eine genetische Veranlagung, die im Lauf kaum noch zu verbergen ist.

Rund 17 % der 30- bis 39-jährigen Frauen leiden unter dieser Form des Haarausfalls. Vor allem am Scheitel wird das Haar lichter. Von den 50- bis 59-Jährigen sind 23 % betroffen, bei den 70- bis 79-Jährigen sind es 28 %. Die Hormonumstellung in den Wechseljahren sorgt dafür, dass mehr und mehr Haare verloren gehen.

Manche Frauen bemerken aber auch, dass die Haare am ganzen Kopf lichter werden. Der sogenannte diffuse Haarausfall ist selten und kann viele verschiedene Gründe haben. Medikamente, Stress, Crash-Diäten und Schilddrüsenstörungen zum Beispiel, um nur einige zu nennen. Was tatsächlich dahinter steckt, findet der Hautarzt anhand verschiedener Diagnoseverfahren heraus.

Haarausfall ist kein Schicksal!

Ein Arztbesuch ist ratsam, wenn die Haare immer weniger werden, ohne nachzuwachsen. Beim Erstgespräch erkundigt sich der Dermatologe zum Beispiel nach der aktuellen Lebenssituation, nach Medikamenteneinnahmen und Zyklusstörungen. Auch Blut- und Haarwurzeluntersuchungen können helfen, der Ursache auf die Schliche zu kommen.

Haarausfall ist zwar oft genetisch bedingt, aber trotzdem kein Schicksal. Neben fragwürdigen Wässerchen gibt es auch wissenschaftlich fundierte Verfahren, die das Haar wieder voller werden lassen. Auch die Naturheilkunde kennt Mittel und Wege, Haarausfall zu stoppen. Welche Maßnahme am erfolgversprechendsten ist, prüft der Arzt im Einzelfall.

Medikamente oder OP?

Bei erblich bedingtem Haarausfall setzen Ärzte häufig auf den Arzneistoff Minoxidil. Er gilt als eine Alternative zu beispielsweise Hormonpräparate. Zweimal am Tag tragen die Betroffenen eine Lösung oder Schaum auf die Kopfhaut auf, um das Haarwachstum zu stimulieren. Anfangs kann sich der Haarausfall allerdings verstärken, weil neue Haare ältere, nicht mehr aktive verdrängen.

Bei rund zwei Drittel der Frauen schlägt die Behandlung an. Nach drei bis vier Monaten wirkt das Haar voller und nach einem Jahr entfaltet der Wirkstoff sein volles Potential.

Zu möglichen Nebenwirkungen gehören Kopfschmerzen, Juckreiz und Bluthochdruck. Außerdem kann Minoxidil das Haarwachstum auch an anderen Körperstellen aktivieren. Da nur ein kleiner Teil des Wirkstoffs ins Blut übergeht, sind diese Beschwerden allerdings selten. Setzen die Betroffenen das Medikament ab, verliert es seine Wirkung.

Dauerhafte Ergebnisse verspricht die Haartransplantation. Sie ist möglich, wenn die Betroffenen genug Haarfollikel am Hinterkopf haben, die verpflanzt werden können. Der mehrstündige Eingriff ist zwar teuer und kann Narben zurücklassen, füllt Lücken im Haar aber spürbar und nachhaltig auf.

Welche Möglichkeiten bietet die Naturheilkunde?

Bei der PRP-Behandlung entnimmt der Arzt etwas Blut, aus dem er Plasma gewinnt. Es enthält viele Wachstumsfaktoren, die zur Regeneration der Haarfollikel beitragen und die Blutzufuhr steigern können. Nach drei bis vier Behandlungen ist eine halbjährliche Auffrischung zu empfehlen. Da eigenes Blut genutzt wird, gibt es kaum Nebenwirkungen.

Ein anderes risikoarmes Verfahren ist die Mesotherapie. Man vermutet, dass sie die Neubildung der Blutplättchen und damit das Haarwachstum anregt. Mit feinen Nadeln injiziert der Arzt einen Biorevitalizer wie zum Beispiel Thymusextrakte in die Kopfhaut. Nach rund zwei Monaten beginnt das Haar nachzuwachsen. Die Ergebnisse der Behandlungen müssen allerdings bei einem monatlichen Auffrischtermin gesichert werden.

Weil es noch nicht viele Studien gibt, gehören beide Verfahren nicht zu den Standardtherapien. Es lässt sich schwer sagen, wie hoch die Erfolgsrate ist und wie häufig Nebenwirkungen auftreten. Ärzte haben bislang aber gute Erfahrungen damit gemacht.