Dr. Verena Austermann ist promovierte Biologin. Sie kennt die Erkrankungen Psoriasis und die psychische Belastung der Betroffenen aus ihrer langjährigen Arbeit für das forschende Pharmaunternehmen Janssen.

Wie macht sich die chronisch-entzündliche Erkrankung Psoriasis, die Schuppenflechte, konkret bei Patienten bemerkbar?

Äußerlich sichtbar sind schuppige, leicht erhabene Rötungen. Vermehrt treten sie zum Beispiel an Ellbogen, Knien, am unteren Rücken, auf der behaarten Kopfhaut, aber auch an Finger- und Zehennägeln auf. Bei Frauen wie Männern befinden sie sich ebenfalls im Intimbereich und sind dort besonders schwer zu behandeln. Zudem leiden die Patienten permanent unter starkem Juckreiz.

Diese Symptome gibt es in unterschiedlichen Schweregraden. Außerdem haben die Betroffenen auch noch ein erhöhtes Risiko, an Diabetes, Depression oder Verkalkung der Herzkranzgefäße zu erkranken.

Allein in Deutschland sind 1,6 Millionen Menschen davon betroffen. Das sind die nackten Zahlen. Können Sie aus Ihrer Erfahrung schildern, wie aber der Einzelne darunter leidet?

Viele Patienten ziehen sich in ihrem Berufsleben und Alltag zurück. Sie leiden still vor sich hin und kapseln sich ab. Leider passiert dies auch, weil ihre Umwelt mit Ablehnung auf ihre Hauterkrankung reagiert. Manche Betroffene tragen bewusst dunkle Hosen, damit Hautrötungen oder sogar Blutungen nicht an den Beinen zu sehen sind. Am Oberkörper wiederum bevorzugen sie helle Kleidung, damit Schuppen nicht auffallen.

Juckreiz und Schmerzen beeinträchtigen viele beim Gehen oder Schlafen. Bestimmte Berufe oder Sportarten könnten wegen der Schuppen an Hand und Füßen nicht ausgeübt werden. Auch bei der Versorgung der Familie treten Schwierigkeiten auf. Vielen gelingt sogar eine Partnerfindung nicht mehr.

Was löst diese Krankheit aus?

Zuerst einmal ist wichtig, dass sie nicht ansteckend ist. Die Veranlagung zu dieser Krankheit ist erblich. Aber auch externe Faktoren können sie auslösen, zum Beispiel Stress, Sonnenbrände, Schnittverletzungen, Operationen oder Tätowierungen.

Welche effektiven Behandlungsmethoden gibt es, um die Krankheit zu bekämpfen?

Zurzeit ist Psoriasis noch nicht heilbar. Es gibt jedoch inzwischen sehr gute Therapien, um sie langanhaltend und effektiv zu reduzieren. Möchte man die mittelschwere bis schwere Form behandeln, gibt es gut wirksame und verträgliche Medikamente, die sich bewährt haben. Sie bewirken ein nahezu beschwerdefreies Leben.

Welche Methoden stehen noch zur Verfügung?

Bei einer leichteren Erkrankung bieten sich Cremes und Salben an, um die Schuppen zu lösen und die Haut wieder geschmeidig zu machen. Auch Tabletten oder die Bestrahlung mit ultraviolettem Licht können helfen. Wichtig ist generell, die richtige Therapie langfristig umzusetzen. Jede Behandlung, die in der Folge zusätzlich eingesetzt wird, erreicht nie den gleichen Effekt wie bei ihrem Ersteinsatz.

Was können die Betroffenen aktiv selbst tun, um die Krankheit zu bekämpfen?

Untersuchungen der Europäischen Föderation der Psoriasis Patienten Verbände zeigten, dass 41 Prozent der Menschen mit schwerer Psoriasis nicht ausreichend behandelt werden. Entscheidend ist deshalb, sich einen Hautarzt zu suchen, der sich auf diese Krankheit spezialisiert hat. Eine ausgewogene Ernährung, viel Bewegung und der Verzicht auf Nikotin und Alkohol fördern die Heilung.

Es gibt auch zahlreiche Selbsthilfegruppen, die unterstützen und aufklären. Viele Betroffene wissen nämlich nicht, dass ihr Leiden um bis zu 50 Prozent dank erfolgreicher Therapien vermindert werden kann.