Der aktuelle Anteil weiblicher Medizinstudenten mit circa zwei Dritteln sieht dabei vielversprechend aus, ist aber mit Vorsicht zu genießen. Warum?

So interessant, vielseitig und anerkannt der Beruf des Arztes ist, so herausfordernd ist er auch. Gerade die aktuelle Situation der Ärzte mit Überstunden in den Kliniken und Unterversorgung auf dem Land, der stetige Fortschritt in der Medizin und unsere älter werdende Gesellschaft stellen hohe Ansprüche an die Ärzteschaft.

Dies kann dazu führen, dass junge, motivierte Frauen mit Visionen ihr Studium beginnen und dann Stück für Stück etwas von ihren Ambitionen wieder verlieren. Den ersten großen Knick mit einem Verlust von 20 Prozent der weiblichen Studienanfänger gibt es nach dem Staatsexamen, wenn der Berufsalltag mit der eigenen Lebens- und Familienplanung konkurriert und nicht selten kollidiert. 

Bei den niedergelassenen Ärzten liegt der Anteil der Frauen derzeit nur bei 35 Prozent.

Geht das nicht anders? Wir Dermatologen sagen: Es geht!

Die „Lehre von der Haut“ hat ihr konservatives Image längst abgelegt und zeigt sich mehr und mehr als moderner Vorreiter vieler wissenschaftlicher, aber auch berufspolitischer Themen! Das Fach um das größte Organ des Menschen hat in den letzten Jahren eine rasante Entwicklung im Bereich der Forschung erfahren, die direkt Auswirkungen auf die Therapien hat.

Offen, innovativ und richtungsweisend stellen sich die Dermatologen aber auch den Themen Nachwuchs und Demografie. Mit der Arbeitsgemeinschaft „Junge Dermatologen im Berufsverband Deutscher Dermatologen“ (JuDerm) widmet man sich konzentriert den Themen der zukünftigen Ärzte und Ärztinnen. Es gilt, der „Generation Y“ zu begegnen.

Jenen jungen Menschen, die die Selbstausbeutung hinter sich gelassen haben und mehr vom Beruf fordern als nur gute Bezahlung und Karrierechancen. Gewünscht sind abwechslungsreiche Tätigkeiten, Work-Life-Balance, Vereinbarkeit von Familie und Beruf  – die Forderungen sind klar und in Anbetracht des derzeitigen Nachwuchsmangels auch durchaus salonfähig.

Gerade die Dermatologie findet sich in dieser Entwicklung sehr gut wieder. Wir kennen quasi keine Notdienste, haben in der Niederlassung Freiheiten in der Organisation der eigenen Arbeitszeit und sind in Zeiten zunehmender Zahlen von Allergie- und Hautkrebserkrankungen gefragter als je zuvor. Alternative Arbeitsmodelle wie Teilzeit oder Jobsharing sind in den dermatologischen Praxen längst etabliert.

Dabei schränkt uns unser Fach nicht ein, es umfasst Jung und Alt, Mann und Frau, wir diagnostizieren mit dem bloßen Auge und mit technischem Gerät, gehen auf Spurensuche wie ein Internist, operieren, lasern, führen Allergietestungen und Hautkrebsvorsorgeuntersuchungen durch und vieles mehr. Mehr Vielfalt ist kaum vorstellbar.

Das Sahnehäubchen ist die Umsetzung moderner technischer Möglichkeiten, die in einer auf virtuelle Kommunikation ausgerichteten Gesellschaft immer spannender werden. So ist die Telemedizin ein großes Thema in einem so visuellen Fach wie der Dermatologie. Pilotprojekte dazu wurden bereits in verschiedenen Hautarztpraxen gestartet.

Schauen Sie bei Ihrer nächsten Hautkrebsvorsorgeuntersuchung Ihrer Dermatologin in die Augen – Sie werden Zufriedenheit und Leidenschaft entdecken, denn Leben und Berufsleben müssen nicht miteinander konkurrieren.

Wir Dermatologen erleben eine hohe berufliche Zufriedenheit in der Kombination der originären ärztlichen Tätigkeit, sich intensiv dem Menschen zuzuwenden, und der Vielfalt unseres sich stetig weiterentwickelnden Faches.

Leben ist Veränderung, und Abwechslung gefällt!