Doch über die Jahre wird daraus ein höllischer Schmerz, der einem die Lust auf schicke Schuhe gründlich verdirbt.

So sieht die typische Leidensgeschichte mit Hallux valgus, auch Ballenzeh genannt, aus. Dabei handelt es sich um eine ernstzunehmende Erkrankung. „Unbehandelt entwickelt sich aus einem Hallux oft eine Großzehengrundgelenksarthrose“, warnt Fußspezialist Dr. André Morawe von der ORTHOPARC Klinik in Köln.

Beim Hallux valgus drückt anfangs nur der Ballen beim Tragen von engen Schuhen. Mit der Zeit dreht sich der Ballen aus dem Gelenk, die Großzehe wird verlagert und die Sehnen verkürzen sich. Es entsteht der häufig gerötete und entzündete prominente Ballen, der in keinen handelsüblichen Schuh mehr passen will. Zudem verhindert die Deformation beim Gehen das normale Abrollen über den Großzeh.

Grundsätzlich ist die Veranlagung für einen Hallux valgus erblich bedingt.

„Die Mittelfußköpfchen der benachbarten Zehen werden schmerzhaft überlastet und es entsteht eine sogenannte Metatarsalgie“, erklärt Morawe. Fast alle Betroffenen entwickeln daher beim Gehen eine Schonhaltung, die zu weiteren Problemen führt.

Grundsätzlich ist die Veranlagung für einen Hallux valgus erblich bedingt. Dennoch sind Frauen häufiger betroffen als Männer. Bei ihnen sorgt aber ein schwächeres Bindegewebe für ein höheres Hallux-Risiko, nicht die Schuhvorliebe. Im Anfangsstadium kann man mit konservativen Maßnahmen versuchen die Schmerzen und das Fortschreiten der Fehlstellung einzudämmen.

Um die Großzehe wieder in ihre korrekte Position zu bringen, gibt es mehrere Möglichkeiten.

Beispielsweise mit speziellen Schuheinlagen, oder auch einer Hallux­Schiene, die zumindest über Nacht die Zehe in die richtige Position zwingt. Der Entzündungsreiz lässt sich eine Zeit lang mit nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) medikamentös behandeln. „Doch je ausgeprägter die Fehlstellung, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit nur mit einem operativen Eingriff das Leiden wirklich zu beseitigen“, erklärt Morawe.

Um die Großzehe wieder in ihre korrekte Position zu bringen, gibt es mehrere Möglichkeiten. Entscheidend dafür ist das Ausmaß der Fehlstellung und der Gelenkschädigung. Bei dem Eingriff erfolgt eine Knochenumstellung, eine sogenannte Osteotomie. Der Unterschied liegt im gewählten Schnittwinkel und der Position, an der man den Mittelfußknochen durchtrennt und wieder zusammenfügt.

„Ziel ist es das Zehengelenk zu erhalten und die Achse der Knochen zu korrigieren und zu stabilisieren“, so Morawe. Zur Fixierung der Korrektur werden inzwischen auch immer wenn möglich bioresorbierbare Schrauben eingesetzt, die sich nach der Knochenheilung selbst auflösen. So wird ein sonst üblicher zweiter Eingriff zur Entfernung der Schrauben überflüssig.

„Auch mit den bioresorbierbaren Schrauben ist eine Vollbelastung in einem Therapieschuh direkt nach dem Eingriff wieder möglich“, so Morawe. Alltagsaktivitäten kann man nach etwa vier bis sechs Wochen wieder einplanen.