Die Erwartungen an eine Mutter sind heute deutlich höher als früher. Erziehungsarbeit, Hausarbeit, Arbeiten gehen und ständig für die Familie verfügbar sein, zählen zu dem Idealbild einer Mutter. Dabei gehen viele Mütter weit über ihre Grenzen. Die Not in der Gesellschaft ist kaum sichtbar und wird gerne individualisiert. Mütter wollen funktionieren und versuchen daher, die Fassade aufrechtzuerhalten. Sie nehmen die Aufgaben an und wollen sie sogar noch toppen, weil sie eine gute Mutter sein wollen.

Dass sie sich damit an den Rand der Erschöpfung bringen oder sogar darüber, gestehen sie sich nicht zu. Eine Auszeit vom aufreibenden Alltag mit kleinen Kindern wird uns Müttern selten zugestanden - am wenigsten von sich selbst. Mütter warten definitiv zu lange, bis sie sich Unterstützung suchen. Laut einer Erhebung des Müttergenesungswerkes ist jede 5. Mutter in Deutschland kurbedürftig. Und nur ein kleiner Teil davon beantragt tatsächlich eine Kur. Ich persönlich bin 2012 unter meinen Ansprüchen als Mutter zusammengebrochen und habe mir eine Auszeit in einer psychosomatischen Rehaklinik genommen. Die Symptome des Burnouts, von depressiven Verstimmungen, Gereiztheit, Ängsten und Schlaflosigkeit waren zu heftig, um den alten Weg des „funktionieren müssen“ weiter zu begehen.

Ich brauchte eine Pause, in der ich wieder zu mir kommen konnte, Lebensfreude zurück gewonnen habe und nicht mehr nur als Mutter, Ehefrau und Hausfrau funktionierte. Meine fünfwöchige Kur brachte mir Erholung, neue Erkenntnisse und ebnete mir den Weg zurück in ein zufriedenes Leben. In meinem Buch: „5 Wochen Rabenmutter“ schreibe ich sehr persönlich über die Zeit des Zusammenbruchs, meinen Aufenthalt in der psychosomatischen Klinik sowie meinen langen Weg zurück in einen zufriedenen Alltag.

Uns als Mütter braucht nicht das schlechte Gewissen zu plagen, wenn wir um Hilfe bitten.

Ich möchte mit meinem Buch auf psychische Krankheiten unter Müttern aufmerksam machen, Müttern Wege aufzeigen sich Hilfe und Unterstützung zu suchen und gerne auch Mut schenken, dass es sich lohnt, seinen roten Faden im Leben wieder aufzunehmen. Ich wünsche mir, dass mein offener Umgang mit der Krankheit anderen Frauen hilft, gar nicht erst in die „Mama-Falle“ der Überforderung hinein zu geraten.

Und ich hoffe sehr, dass mein Buch dazu beiträgt, dass die Gesellschaft mehr Verständnis für Menschen mit psychischen Krankheiten zeigt. In dem Augenblick, in dem wir uns selbst wichtig nehmen, uns Wertschätzung schenken, ist glaube ich jedem klar, dass Hilfe einfordern wenig mit Egoismus zu tun hat. Ganz im Gegenteil. Uns als Mütter braucht nicht das schlechte Gewissen zu plagen, wenn wir um Hilfe bitten. Wir haben ein Recht darauf. Wenn das Leben einen in die Knie zwingt, dann seien sie sich wichtig genug eine Auszeit einzufordern.

Es gibt Mutter-Kind-Kuren oder aber auch psychosomatische Rehakliniken, in denen die Bedürfnisse der Mutter an erster Stelle stehen; In denen es darum geht, wieder bei sich anzukommen, durchatmen zu dürfen und die richtigen Weichen zu stellen, dass das Leben mit Kindern wieder Freude macht. Aktuell gibt es in Deutschland an die 1.300 Beratungsstellen. Ganz sicher auch in ihrem näheren Umfeld. Das Müttergenesungswerk ist hier Ansprechpartner Nummer eins und unterstützt zudem auch Mütter finanziell, wenn sie bedürftig sind.

Nach meinem Empfinden gilt es das Idealbild einer Mama aufzubrechen, Raum zu schaffen für individuelle Lebensentwürfe und Abschied zu nehmen vom Perfektionismus. Und am Ende des Tages profitieren alle in unserem Umfeld davon, wenn wir als Mutter wieder zufrieden und glücklich sein dürfen.

Buchtipp

Das Buch "Fünf Wochen Rabenmutter" von Tanja Bräutigam ist jetzt erhältlich, unter anderem auch hier online.