Männer und Frauen unterscheiden sich unter anderem in der Hormonsituation, der Lebenserwartung und im Stoffwechsel. Diese Unterschiede führen auch dazu, dass die Geschlechter anders anfällig für Krankheiten sind.

So kündigt sich beispielsweise ein Herzinfarkt beim weiblichen Geschlecht ganz anders an als beim männlichen. Dadurch wird eine Herzattacke bei Frauen häufig viel zu spät oder gar nicht diagnostiziert. Denn während Männer über einen stechenden Schmerz in der Brust klagen, deuten bei Frauen eher Übelkeit, Schweißausbrüche und Herzklopfen auf einen Herzinfarkt hin. Mit derartigen Unterschieden beschäftigt sich ein eigener Forschungszweig: die geschlechtsspezifische Medizin.

Das medizinische Fachgebiet der Gendermedizin

Frauen leiden eher an Migräne, Männer dagegen häufig an Cluster-Kopfschmerzen. Frauen neigen häufiger zu Angsterkrankungen und Essstörungen. Männer wiederum sind verstärkt von Abhängigkeiten, wie von Alkohol und Drogen, betroffen. Diese Unterschiede liegen zu Teilen auch an den Geschlechtshormonen. So üben Östrogene, die in den Eierstöcken der Frau gebildet werden, eine Schutzfunktion aus.

Östrogene sorgen auch für ein intakteres Immunsystem, wodurch Frauen seltener unter Infektionserkrankungen leiden. Dafür erkranken sie häufiger an Autoimmunerkrankungen. Denn ein überaktives Immunsystem, bei dem sich die körpereigene Abwehr auf Strukturen des eigenen Körpers richtet, wird offenbar auch von Östrogenen verstärkt. Kommen die Frauen allerdings in die Wechseljahre, so fällt das Schutzhormon weg und Frauen bekommen ähnliche Krankheiten wie Männer.

Unterschiedliche Wirkung von Medikamenten

Auch Medikamente wirken geschlechtsspezifisch unterschiedlich. So benötigen Frauen einige Medikamente in geringeren Dosierungen als Männer. Wieder andere Medikamente sollten Frauen nur unter ärztlicher Aufsicht einnehmen. Das gilt beispielsweise für einige verschreibungspflichtige Medikamente, die gegen Herzrhythmusstörungen, bei psychischen Störungen oder gegen allergische Symptome verschrieben werden.

Höhere Lebenserwartung

Weltweit haben Frauen eine höhere Lebenserwartung als Männer, was größtenteils auf den Lebensstil zurückzuführen ist. Männer konsumieren mehr Alkohol und Nikotin und leiden häufiger unter konkurrenzbedingtem beruflichem Stress. All dies hat einen negativen Einfluss auf die Lebenserwartung. Neben den biologischen Facetten untersucht die Gendermedizin auch solche sozialen Teilaspekte. Dies ist hilfreich, um dem Ziel einer individuellen Medizin und Therapie näherzukommen.