In Deutschland sind Schätzungen zufolge circa zehn bis 15 Prozent aller Frauen zwischen 15 und 45 Jahren betroffen. Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch leiden besonders häufig unter Endometriose.

Endometriose entsteht, wenn sich gutartiges gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter, beispielsweise im sogenannten kleinen Becken, ansiedelt.

Die Endometriose äußert sich häufig durch einen sehr starken Regelschmerz, der auch schon einige Tage vorher einsetzen kann

Die Endometrioseherde verhalten sich während des weiblichen Zyklus wie die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) in der Gebärmutter: Kommt es während eines Monatszyklus der Frau nicht zur Befruchtung einer Eizelle, blutet die normale Gebärmutterschleimhaut im Normalfall nach außen ab.

Bei Endometrioseherden außerhalb der Gebärmutter ist ein Abfließen des Blutes nach außen jedoch nicht möglich. In der Folge kann es deshalb zur Bildung von Zysten, Entzündungen, Verwachsungen und sogar zur Ansiedlung neuer Herde kommen. „Eierstock und Eileiter können in ihrer natürlichen Funktion so beeinträchtigt werden, dass eine Schwangerschaft deutlich erschwert wird“, so Prof. Dr. med. Dr. h.c. Hans-Rudolf Tinneberg.

Die Endometriose äußert sich häufig durch einen sehr starken Regelschmerz, der auch schon einige Tage vorher einsetzen kann. „Auch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder beim Wasserlassen oder ein unerfüllter Kinderwunsch können ein Hinweis sein.

Beim Verdacht auf eine Erkrankung sollte in jedem Fall eine gynäkologische Arztpraxis aufgesucht werden“, sagt Prof. Dr. med. Stefan Renner. Nach einem ausführlichen Gespräch erfolgt die Diagnose über eine minimalinvasive Bauchspiegelung (Laparoskopie), bei der meist bestehende Endometrioseherde direkt entfernt werden.

„Operativ entfernte Herde können keine Beschwerden mehr verursachen, deshalb empfehlen wir bei Verdacht auf Endometriose meist die Operation mit gleichzeitiger Entfernung der Herde. Die Behandlung sollte am besten in einem zertifizierten Endometriosezentrum mit einem eingespielten Ärzteteam inklusive Kinderwunschexperten in der Nähe des Wohnortes erfolgen“, empfiehlt Professor Renner.

Neben der Operation beruht die Behandlung der Endometriose auf weiteren Säulen: Die medikamentöse und die komplementäre Therapie. Im Mittelpunkt der medikamentösen Therapie steht neben der Schmerzbehandlung die Hormontherapie.

Sie kann als eigenständige Therapie oder vor beziehungsweise nach einem operativen Eingriff erfolgen. Auch Kinderwunschpatientinnen können von einer zeitlich begrenzten Hormontherapie profitieren, „weil dadurch die Krankheit zurückgedrängt und eine anschließende Schwangerschaft erleichtert wird.

Unser erklärtes Ziel ist es, bei Frauen mit Kinderwunsch die Fruchtbarkeit zu erhalten oder wiederherzustellen“, sagt Professor Tinneberg. Komplementäre Therapien wie beispielsweise eine Ernährungsumstellung, Sport, Akupunktur et cetera können zu einem Behandlungserfolg und damit zu einem guten Leben der betroffenen Frauen beitragen.

„Die optimale Therapieoption hängt in jedem Fall von dem individuellen Verlauf der Erkrankung und der Schwere der Beschwerden und nicht zuletzt von der Erfahrung der behandelnden Ärzte ab“, so Professor Renner.

Information

Weitere Informationen zur Endometriose, zertifizierten Zentren und Ärzten unter endometriose-liga.eu.