Wie geht es Ihnen im Moment?

Meine Familie und ich sind gesund und munter. Von daher gibt es wirklich keinen Grund mich zu beklagen.

In den vergangenen Monaten aber sah das noch anders aus, oder?

Das ist richtig. Wir haben schon seit längerer Zeit den Wunsch ein weiteres Kind zu bekommen. Leider hat es bisher einfach nicht sein sollen. Umso länger man darauf wartet, desto mehr fängt man an sich Sorgen zu machen und an sich selbst zu zweifeln.

Was hat Sie an sich zweifeln lassen?

Ich war meiner Meinung nach gesund, dachte es zumindest. Das Einzige, was mich irritiert hat, war die Tatsache, dass während meiner Menstruation die Schmerzen und Krämpfe von Monat zu Monat stärker wurden. Dass etwas schief lief, wusste ich zu dem Zeitpunkt nicht.

Was hatte es mit den Krämpfen auf sich?

Die Krämpfe wurden mit der Zeit immer schlimmer, ich konnte teilweise kaum laufen und es gab Tage, da habe ich vor Schmerzen auf dem Küchenboden gelegen und hab nur noch geweint. Es war wirklich nicht zu ertragen und ich glaube nur Frauen können das wirklich nachempfinden. Dann war mir klar, dass irgendetwas nicht stimmen kann und als ich dann beim Arzt war, bestätigte sich dies auch.

Was genau wurde bei Ihnen diagnostiziert?

Mein Arzt diagnostizierte eine Zyste und meinte auch, dass genau diese Zyste eine Ursache für das bisher ausgebliebene zweite Kind sein könnte. Diese habe ich dann operativ entfernen lassen. Da dachte ich noch, dass ich am Abend wieder nach Hause gehe.

Doch als ich aus der Narkose aufwachte, sagte mir der Arzt, die Zyste hätte sich als Endometriose herausgestellt (Anm. d. Red.: Endometriose ist eine gutartige, aber sehr schmerzhafte chronische Erkrankung, bei der Gebärmutterschleimhaut auch außerhalb der Gebärmutterhöhle wächst). Durch eine Laparoskopie wurde dann das schädliche Gewebe entfernt.

Wie erging es Ihnen mit der Diagnose?

Ich habe damals noch nicht einmal gewusst, dass es diese Erkrankung überhaupt gibt. Ich bin regelmäßig zu meiner Vorsorgeuntersuchung gegangen, was übrigens jede Frau tun sollte. Ich war mir also sicher, dass alles in Ordnung ist.

Endometriose, dieses Wort hatte ich noch nie gehört. Nach der Diagnose habe ich dann auch alles zum Thema in mich aufgesogen und sehr viel im Internet recherchiert. Dabei musste ich feststellen, dass viele Betroffene noch nie zuvor von Endometriose gehört hatten und selbst auch nach der Diagnose nicht viel darüber sprachen.

Zumindest in Europa scheint das der Fall zu sein, denn in den USA gehen Frauen wie Hillary Clinton, Susan Sarandon, Whoopi Goldberg offen mit der Diagnose um, die Lobby zu diesem Thema ist dort viel größer.

Was würden Sie gern anderen Frauen sagen? Was hat Ihnen während dieser schweren Zeit am meisten geholfen?

Wie so viele Frauen habe ich das Meiste mit mir allein ausgemacht. Mein Mann war mir ebenfalls eine große Unterstützung. Sonst habe ich es niemandem erzählt – „leider“ muss ich heute sagen, denn über die Krankheit wird viel zu wenig gesprochen. Endometriose kann immer eine Rolle spielen, wenn man einfach nicht schwanger wird, dann sollte man einen Spezialisten aufsuchen.

Wir Frauen müssen auf unseren Körper hören, vor und während der Menstruation und wenn die Krämpfe so stark und unerträglich werden, dass auch Schmerzmittel nicht mehr helfen, dann gehen Sie zu einem Experten. Es ist wichtig für uns Frauen, dass alles in uns funktioniert, wie es sein sollte.

Information

Weitere Informationen zur Endometriose, zertifizierten Zentren und Ärzten unter endometriose-liga.eu.