Jährlich gehen rund 600.000 Neuerkrankungen auf sein Konto. Mehr als die Hälfte der Betroffenen verstirbt an dieser Krebsart, die zudem vergleichsweise früh im Leben der Leidtragenden auftritt.

Weil er sich im Anfangsstadium so unauffällig entwickelt, hilft nur eine regelmäßige und gründliche Vorsorge, um möglichst früh auf etwaige Veränderungen im Gebärmutterhals aufmerksam zu werden.

Zur Regelversorgung gehört der Pap-Test, eine zytologische Untersuchung, bei der die Gebärmutterschleimhaut mikroskopisch auf ihre Morphologie hin untersucht wird. Ein zweites effektives Screeningverfahren soll den Patientinnen nun im kommenden Jahr zur Wahl gestellt werden: der HPV-Test. Hinter dem Kürzel steckt das humane Papillomvirus (HPV), das in annähernd allen Fällen der Auslöser von Zervixkarzinomen ist. Prof. Karl Ulrich Petry, Chefarzt der Frauenklinik am Klinikum Wolfsburg und Leiter des Pilotprojekts „Wolfsburger Modell“, erklärt die Hintergründe im Interview.

Der HPV-Test, kombiniert mit der HPV-Impfung wird das Ende des Gebärmutterhalskrebses einläuten.

Wie viele Frauen betrifft das Zervixkarzinom jedes Jahr in Deutschland?

Rund 5.000 Frauen sind jedes Jahr von einer Neuerkrankung betroffen, etwa 1.500 bis 1.600 von ihnen versterben daran. Diese vergleichsweise hohe Mortalitätsrate und die Tatsache, dass diese Krebsart ihren frühen Gipfel bei rund 50 Lebensjahren hat, sind charakteristisch für den Gebärmutterhalskrebs. Eine effektive Vorsorge ist daher entscheidend.

Was ist der Unterschied zwischen dem Pap-Test, der im Rahmen der Regelversorgung einmal im Jahr gemacht wurde, und dem HPV-Test, der Frauen ab 2016 zur Wahl gestellt werden soll?

Beim Pap-Test sieht man sich an, ob sich die Zellen verändert haben, und prüft damit, ob vielleicht schon etwas passiert ist. Beim HPV-Test weist man Virus-DNS nach und identifiziert die Risikogruppe, die vielleicht schon Vorstufen entwickelt hat oder entwickeln wird. Da es einen engen Zusammenhang zwischen dem Gebärmutterhalskrebs und einer früheren HPV-Infektion gibt, ist ein derartiges Screening sehr wirksam. Sie müssen wissen: Mehr als 99 Prozent aller echten Zervixkarzinome sind HPV-bedingt.

Was heißt das in Zahlen – haben Sie aus Ihrem Pilotprojekt aktuelle Daten?

Wir haben in den letzten zehn Jahren im Rahmen des „Wolfsburger Modells“ rund 25.000 Patientinnen auf das HP-Virus untersucht. Dabei sind 250 echte Zervixkarzinomvorstufen und knapp 30 Karzinome aufgetreten. Von den 250 Fällen waren bis auf vier alle HPV-positiv, während 150 davon unauffällige Pap-Tests hatten! Unsere Zahlen belegen die hohe Früherkennungsrate, die der HPV-Test im Vergleich zum Pap-Test birgt.

Ich räume dabei gerne ein, dass die zytologische Vorsorge in den letzten Jahrzehnten eine Erfolgsgeschichte war, sonst hätten wir statt der jährlich 5.000 Neuerkrankungen in Deutschland rund 35.000. Doch aus wissenschaftlich-strategischer Sicht bietet der HPV-Test den höheren Schutz und eine längere diagnostische Sicherheit. Unser Fazit: Man kann damit die kleine Gruppe der Risikopatientinnen früh identifizieren und schützen, lange bevor sie der Krebs überrascht. Alle anderen kann man beruhigt entlassen.

Was bedeutet der Befund für eine Frau, die HPV-positiv getestet wurde?

Wer HPV-positiv getestet ist, entwickelt auch ohne Vorsorge keineswegs zwangsläufig Gebärmutterhalskrebs, lediglich bei einer Minderheit der Betroffenen tritt später ein Zervixkarzinom auf. Diese Krebsentstehung lässt sich aber zuverlässig durch Diagnostik und Therapie von Vorstufen verhindern. Deshalb brauchen positiv getestete Frauen aber maximalen Schutz durch regelmäßige Vorsorge – die zytologische Untersuchung eingeschlossen.

Was raten Sie Patientinnen, wenn das Optionsmodell eingeführt wird und sie die Wahl zwischen beiden Testverfahren haben?

Unsere Daten aus dem Pilotprojekt liefern in Übereinstimmung mit vergleichbaren internationalen Untersuchungen ein klares positives Votum für den HPV-Test. Kombiniert mit der HPV-Impfung wird er das Ende des Gebärmutterhalskrebses einläuten. Wenn man sich überlegt, dass dieser Krebs für die Gynäkologie immer eine der ganz großen Herausforderungen gewesen ist und nun innerhalb einer Generation ausradiert werden könnte, ist das auch aus wissenschaftlicher Sicht faszinierend!