Es war im Jahr 2011, als Martina Weber plötzlich unter Schmerzen litt, die sich „kein Mensch vorstellen kann“. Bemerkbar machten sie sich vor allem im Unterbauch und als Menstruationsbeschwerden, zusammen mit Blut im Stuhl. „Die Schmerzen waren so heftig, dass Medikamente dagegen nicht mehr halfen und ich mich in diesen Phasen krankschreiben lassen musste“, erzählt Martina Weber. Die 51-Jährige ist seit 20 Jahren als Führungskraft in der Medienbranche tätig. Ein Fulltime-Job mit vielen Reisen und Überstunden, der einen Arzt zur ersten falschen Diagnose veranlasste: Burn-out.

Martina Weber musste einige Fehldiagnosen hinnehmen, bevor Endometriose bei ihr festgestellt wurde.

Mehrere Fehldiagnosen

Auch eine Magen-Darm-Spiegelung ließ Martina Weber über sich ergehen, weil man eine Darmentzündung vermutete – und mit der Diagnose wieder nicht richtig lag. Hilfe kam erst in Person einer Kollegin, die hellhörig wurde. Ihr Tipp: „Lass dich mal auf Endometriose untersuchen.“

Martina Weber hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch nie von dieser Erkrankung gehört. Eine Bauchspiegelung beim Arzt brachte dann die Bestätigung und endlich Gewissheit. „Zu sehen war auf den Bildern die typische Ausstülpung in den Darm hinein. Damit ließ sich plötzlich auch mein Blut im Stuhl erklären“, so Martina Weber.

Organschonende Operation

Eine Bauchspiegelung beim Arzt brachte dann die Bestätigung und endlich Gewissheit. Zu sehen war auf den Bildern die typische Ausstülpung in den Darm hinein.

Erst nach eigenen Recherchen in Internetforen fand sie für die Behandlung den richtigen Spezialisten. „Ich schickte ihm meine Unterlagen, bekam innerhalb von 24 Stunden eine Antwort und damit war das Ende meines Leidens absehbar“, so Martina Weber. Der Experte operierte sie endoskopisch und organschonend. „Es stellte sich heraus, dass mein Blinddarm bereits komplett zugewachsen war. Er stand sozusagen kurz vor der Explosion. Ich hatte sehr viele Verwachsungen. Mir wurden außerdem zwölf Zentimeter von meinem Darm entnommen.“

Inzwischen weiß Martina Weber, dass sie wohl schon seit ihrem zwölften Lebensjahr an Endometriose erkrankt ist. „Ich hatte als Jugendliche so starke Menstruationsschmerzen, dass ich manchmal tagelang vom Unterricht befreit wurde.“ Sie vermutet, dass eine weitere Folge dieser Erkrankung ist, dass sie nie Kinder bekommen hat. „Wenn der Wunsch bei mir allerdings größer gewesen wäre, wäre meine Endometriose wohl spätestens in einem Hormonzentrum aufgefallen.“

Hilfe durch Spezialisten

Endometriose lässt sich in der Regel nicht vollständig heilen und kann immer wieder auftreten. Martina Weber muss nach der erfolgreichen Therapie nun regelmäßig zu Nachsorgeuntersuchungen. Sie rät Frauen, bei Symptomen hellhörig zu sein. „In den vergangenen Jahren ist das Thema dank Aufklärung deutlich präsenter geworden. Sehr viel mehr Ärzte verstehen nun die Zusammenhänge. Betroffene, die unter diesen Schmerzen leiden, sollen auf keinen Fall Ruhe geben, sich nicht abwimmeln lassen und genau nachhaken. Wichtig ist, sich rechtzeitig in die Hände eines Spezialisten zu begeben.“

Der Fall zeigt, wie sehr die Endometriose noch immer unterschätzt wird. Auch viele andere Patientinnen fühlen sich daher verunsichert. Orientierung und schnelle, kompetente Hilfe zu medizinischen Fragen bieten speziell für ihre Versicherten daher die SBK-Kundenberater. 


Aufklärung rund um die Uhr

Guter Rat ist heilsam – wenn man als Frau an Endometriose erkrankt. Denn nicht jeder Arzt erkennt die Krankheit sofort. Ein Gespräch mit Sabine Saliger, tätig im Bereich Vertragspolitik und Versorgungsmanagement bei der Siemens-Betriebskrankenkasse, über selbstbewusstes Nachfragen beim Arzt, die richtige Suche nach einem Experten und kompetente Hilfe am Gesundheitstelefon. „

Wen würden Sie als richtigen Ansprechpartner empfehlen, wenn eine Frau glaubt, an Endometriose erkrankt zu sein?

Auf jeden Fall sind es spezialisierte Endometriosezentren. Neben speziellen Endometriosesprechstunden bieten diese Zentren eine umfassende und intensive gynäkologische Betreuung. Viele von ihnen sind an Unikliniken und Krankenhäuser angebunden. Sie überzeugen daher auch mit ihrer klinisch-wissenschaftlichen Erfahrung. Bei Ärzten sollte die Patientin auf die Spezialisierung beziehungsweise Weiterbildung schauen. Nur wenn sich ein Mediziner regelmäßig im Bereich Endometriose weiterbildet oder über eine langjährige Behandlungserfahrung in diesem Bereich verfügt, ist sichergestellt, dass er den aktuellen Stand von Diagnostik und Therapie kennt.

Darüber hinaus helfen Verbände wie zum Beispiel die Endometriose-Vereinigung Deutschland
e. V. weiter. Im Web oder in den Social-Media-Kanälen finden sich einige kompetente und neutrale Webseiten, die mit Tipps unterstützen, eine Übersicht über Selbsthilfegruppen bieten und in denen sich Betroffene austauschen. Zu nennen ist zum Beispiel das Informationsportal der Europäischen Endometriose Liga, endometriose-sef.de.

Was raten Sie, wenn eine Patientin glaubt, dass der Arzt ihre Beschwerden nicht richtig ernst nimmt, und sie eine Fehl-diagnose fürchtet?

Patienten sollten bei Ärzten auf die Spezialisierung beziehungsweise Weiterbildung schauen. Nur wenn sich ein Mediziner regelmäßig im Bereich Endometriose weiterbildet oder über eine langjährige Behandlungserfahrung verfügt, ist sichergestellt das er den aktuellen Stand von Diagnostik und Therapie kennt.

Auf jeden Fall sollte sie selbstbewusst bei ihrem Gynäkologen nachhaken und Bedenken äußern. Schmerzen sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Die Erkrankung Endometriose ist eine chronische, aber gutartige Erkrankung, die im schlimmsten Fall schwere gesundheitliche Folgen bis hin zur Unfruchtbarkeit haben kann. Das Vertrauen zwischen dem Patienten und seinem Arzt ist jedoch das Rückgrat für eine gute Behandlung. Da Krankheitsfälle individuell unterschiedlich gelagert sind, ist die Wahl des passenden Facharztes gar nicht so einfach. Bei der Suche unterstützt jedoch der SBK-Terminservice.

Welche Services bieten Sie Ihren Versicherten?

Bei Fragen kann sich eine Versicherte immer an ihren persönlichen SBK-Kundenberater wenden. Mit Empfehlungen aus dem privaten Bekanntenkreis oder Onlineportalen kommt man nämlich als Betroffene nur bedingt weiter. Der Berater kann dabei unterstützen, einen individuell passenden Facharzt oder ein Endometriosezentrum in Wohnortnähe zu finden. Er kennt darüber hinaus spezielle Zentren, mit denen wir im Bereich der ambulanten gynäkologischen Operationen zusammenarbeiten. Besonders vor einer OP sind solche objektiven Informationen zu einer Klinik wichtig.

Oberstes Ziel ist immer die ideale medizinische Betreuung. Final entscheidet die Patientin natürlich selbst, welchem behandelnden Arzt sie dann ihr Vertrauen schenkt.

Sie bieten ein sogenanntes Gesundheitstelefon an. Welche Vorteile hat es?

Am Gesundheitstelefon bekommen Versicherte rund um die Uhr und kostenfrei Rat und Hilfe zu Erkrankungen. Die Rufnummer ist auch aus dem Ausland erreichbar. Dort beraten Ärzte und medizinisches Personal zu Themen wie Diagnose, Therapie, Reiseapotheke, Wirkstoffe oder Nebenwirkungen von Arzneimitteln.

Natürlich kann diese Information am Gesundheitstelefon die Diagnose eines Arztes nicht ersetzen. Aber Patientinnen, die im speziellen Fall des Verdachts auf Endometriose unsicher sind, bekommen hier noch mal eine zusätzliche neutrale und kompetente Beratung.