Wir in der Praxis sind jedenfalls da, bei Sonne und bei Regen. Und wenn das Wetter besonders schön ist, herrscht in der Praxis oft Flaute. Dieselbe Flaute gibt es auch bei ganz besonders schlechtem Wetter. Und montags. Und am Freitagnachmittag. Und vor den großen Feiertagen. Jede dritte Frau, die sich für einen Ersttermin in einer Frauenarztpraxis anmeldet, lässt den Termin ausfallen, ohne abzusagen. Und jeder vierte Arzttermin, der über eine Terminvergabestelle zustande gekommen ist, wird nicht wahrgenommen.


Diese ausgefallenen Termine bedeuten, dass wir andere Patientinnen nicht behandeln können, die dringend auf einen Termin warten. Sie tragen dazu bei, dass die Wartezeiten auf einen Arzttermin immer länger werden. Und dass Patientinnen, die krank sind, als nicht eingeplante Notfälle in die Praxis kommen. Dadurch gibt es dann Tage, an denen die Stühle im Wartezimmer nicht ausreichen und die Wartezeiten sich unerträglich verlängern.


Und selbst wenn wir uns beeilen: Auch bei kurzen Routineterminen tauchen immer wieder Fragen zum Kinderwunsch oder zum Wechsel der Verhütung auf, Probleme mit Partnerschaft und Sexualität werden angesprochen, eine beginnende Inkontinenz und vieles andere. Dass deshalb aus einem geplanten Kurztermin auch einmal eine Viertelstunde werden kann, planen wir ein. Termine werden deshalb nicht im Dreiminutentakt vergeben. Nicht wahrgenommene Termine verursachen spürbare Lücken in der Terminplanung.


Sehen wir einfach mal über den Gartenzaun: In Großbritannien hat der National Health Service für alle Arztpraxen festgelegt, dass die Wartezeit auf einen Termin nicht über 18 Wochen betragen sollte. Und die Statistiken sagen, dass 95 Prozent aller Patienten, die als Notfall zur Behandlung in eine NHS-Ambulanz kamen, innerhalb von vier Stunden von einem Arzt gesehen wurden. Internationale Standards auch in Deutschland? Lieber nicht.