Bei überaktiver Blase ist der Blasenmuskel übererregbar, sodass plötzlich ein starkes, nicht zu unterdrückendes Dranggefühl – schon bei geringer Füllung – entstehen kann. 

Harninkontinenz verursacht häufig nicht nur eine deutliche Einschränkung der Lebensqualität, sondern kann sogar zu Depressionen, sozialer Isolation und Partnerschaftsproblemen führen. Die Hemmschwelle, über eine bestehende Harninkontinenz zu sprechen, ist allerdings hoch, und so suchen nur rund 30 Prozent der Betroffenen ärztliche Hilfe. Fatal, denn eine überaktive Blase ist behandelbar!

Behandlungsmöglichkeiten bei Harninkontinenz

Die Therapie der überaktiven Blase wird in zwei Ansätze unterteilt.

Ein Ansatz ist die Lebensstiländerung, dabei wird unter anderem Folgendes empfohlen: ausreichend trinken (1,5–2 Liter am Tag), keine Flüssigkeit zwei Stunden vor dem Schlafengehen, Verteilen der Trinkmenge über den Tag hinweg, harntreibende Getränke wie Kaffee, schwarzen Tee oder Bier meiden, ebenso Reizstoffe wie Nikotin und scharfe Gewürze. Zusätzlich werden Blasen- und Beckenbodentraining empfohlen.

Der zweite Ansatz ist die medikamentöse Therapie. Hier sind sogenannte Anticholinergika Mittel der Wahl. Um die Wirkung einer anticholinergen Therapie ausreichend beurteilen zu können, ist eine regelmäßige Einnahme über vier bis sechs Wochen notwendig. Anticholinergika entspannen die Blasenmuskulatur und erhöhen somit die Aufnahmekapazität der Harnblase.

Außerdem dämpfen sie das plötzlich starke Zusammenziehen des Blasenmuskels, sodass der Harndrang sanfter einsetzt. Es gibt eine Reihe von anticholinergen Wirkstoffen, die in der Wirksamkeit vergleichbar sind, sich jedoch hinsichtlich der Nebenwirkungen unterscheiden.

Nach welchen Kriterien sollte man das Anticholinergikum auswählen?

Das wahrscheinlich wichtigste Entscheidungskriterium ist, ob das Anticholinergikum ins Gehirn eindringt oder nicht. Sogenannte tertiäre Anticholinergika sind fettlöslich und dringen über die sogenannte Blut-Hirn-Schranke ins Gehirn ein. Hier können sie die Hirnleistung und -funktion erheblich beeinträchtigen und entsprechende Nebenwirkungen anderer Wirkstoffe erhöhen.

Quaternäre Wirkstoffe sind hingegen wasserlöslich und damit fettabweisend, sodass sie nicht ins Gehirn eindringen. Sie entfalten keinerlei Wirkungen auf die Hirnleistung und -funktion.

Typische Beispiele der Nebenwirkungen von tertiären, fettlöslichen Anticholinergika sind Schwindel, Verwirrtheit und Halluzinationen, Schläfrigkeit oder Nervosität. Darüber hinaus wirken fettlösliche Anticholinergika entgegengesetzt zu den bei Alzheimer-Demenz eingesetzten Cholinesterasehemmern.

Das bedeutet, dass tertiäre Anticholinergika eine dementielle Symptomatik verstärken können. Zahlreiche andere Wirkstoffe – beispielsweise aus den Substanzgruppen der Antidepressiva, Tranquilizer,  Blutdrucksenker, Schmerzmittel, Antiepileptika – entfalten bereits von sich aus anticholinerge Wirkungen im Gehirn, die zusammengenommen die Hirnleistung beeinträchtigen können.

Die Summe dieser Wirkungen bezeichnet man auch als anticholinerge Last. Durch die zusätzliche Gabe eines fettlöslichen Anticholinergikums gegen überaktive Blase steigt die sogenannte anticholinerge Last unnötig. Um die beschriebenen Nebenwirkungen zu vermeiden, empfiehlt sich bei überaktiver Blase ein wasserlösliches Anticholinergikum.

Diese Wirkstoffe bleiben außerhalb des Gehirns und können daher keine Nebenwirkungen im Gehirn und Rückenmark auslösen, das heißt, die Hirnleistung wird durch diese Medikamente nicht beeinflusst und die anticholinerge Last wird nicht erhöht.

Möglichst ohne Wechselwirkungen

Ein weiteres wichtiges Auswahlkriterium ist die Art und Weise der Verstoffwechselung. Beispielsweise werden fettlösliche Substanzen in der Leber zu wasserlöslichen Molekülen umgebaut, damit diese über die Nieren ausgeschieden werden können. Diese sogenannten Metaboliten sind allerdings häufig selbst pharmakologisch aktiv und können somit von sich aus Wirkungen, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen auslösen.

Wird stattdessen ein wasserlösliches Anticholinergikum eingesetzt, das nicht in der Leber umgebaut wird, sondern bis zu seiner Ausscheidung unverändert im Blutkreislauf verbleibt, muss nicht mit zusätzlichen Neben- und Wechselwirkungen durch Metaboliten gerechnet werden. Wechselwirkungen eines Medikaments sind ein ganz entscheidendes Auswahlkriterium, insbesondere bei älteren Patienten, die verschiedene Medikamente gleichzeitig erhalten.

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