Etwa jede dritte Frau in Deutschland leidet zumindest gelegentlich an Blasenschwäche. Gesprochen wird über die Erkrankung kaum – häufig nicht einmal mit einem Arzt. Der Kontrollverlust über den eigenen Körper beschämt zu sehr.

In der Regel kann eine Blase zwischen 300 und 500 Milliliter Urin fassen. Ist sie gefüllt, senden Nerven die Botschaft ans Gehirn: „Die Blase ist voll!“. Harndrang entsteht. Normalerweise ist das kein Problem: Gesunde Frauen halten den Urin so lange zurück, bis dieser bei einer bewussten Entleerung der Blase abfließen kann. Bei den verschiedenen Arten der Inkontinenz ist der Mechanismus auf unterschiedliche Weise gestört – die Betroffene verliert ungewollt Urin.

Die häufigste Form ist die Belastungsinkontinenz. Dabei geht beim Sport, Husten, Niesen oder Lachen Harn ab. Der Grund: ein schwacher Schließmuskel. Bei der zweithäufigsten Form, der Dranginkontinenz, führt ein starker Harndrang zu unwillkürlichem Urinverlust.

Im höheren Lebensalter ist die Mehrzahl der Frauen von Inkontinenz betroffen. Es ist eine verdrängte Volkskrankheit. Dabei könnte vielen Frauen geholfen werden: Sie müssten nur zum Arzt gehen, um die Ursache abklären zu lassen. Diese können vielfältig sein: Beckenbodenschwäche – beispielsweise nach einer Geburt oder durch hormonelle Veränderungen in den Wechseljahren –, chronischer Husten, Übergewicht oder eine OP, bei der Nerven verletzt wurden, sind nur einige davon. Ist die Ursache gefunden, können zwei Drittel der Frauen ihre Blasenkontrolle durch die passende Therapie zurückerlangen.

Die Eingriffe hören sich dramatischer an, als sie sind.

In vielen Fällen reicht dafür schon Beckenbodentraining. Es stärkt die Muskulatur, die fürs Wasserhalten zuständig ist. Wichtig ist, sich die Übungen von einem Physiotherapeuten zeigen zu lassen und regelmäßig zu üben, sonst lässt der Effekt wieder nach. Das Training hilft bei 50 bis 70 Prozent der Patientinnen, 30 Prozent werden sogar vollständig „geheilt“.

Für übergewichtige Frauen mit Harninkontinenz ist es zudem ratsam, Pfunde zu verlieren. Eine Studie zeigt, dass eine Gewichtsreduktion um etwa fünf bis zehn Prozent die gleiche Wirkung hat wie andere, nicht-operative Maßnahmen. Bei Wechseljahrsbeschwerden dagegen muss meist zu Medikamenten gegriffen werden. Halten die Beschwerden trotz konservativer Maßnahmen an, kann ein Eingriff wie die „Tensions-free-Vaginal-Tape-Operation“ Linderung bringen. Dabei wird ein Kunststoffband unter die Harnröhre gelegt.

Dieses verhindert, dass bei Druck sofort Urin abgeht. Die Erfolgsquote des kleinen Eingriffs liegt langfristig bei 80 Prozent. Eine andere Methode ist es, die Harnröhre zum Beispiel durch Hydrogel, zu unterspritzen und besser abzudichten. Oder die Blasenmuskulatur durch Botulinumtoxin (besser bekannt als Botox) ruhig zu stellen. Dadurch entspannt sich die Blasenmuskulatur und die Harnblase speichert mehr Urin über einen längeren Zeitraum.

Die Eingriffe hören sich dramatischer an, als sie sind. Damit es aber gar nicht erst soweit kommt, sollte schon bei den kleinsten Anzeichen ein Arzt aufgesucht werden. Je eher die Behandlung beginnt, umso höher ist die Erfolgsquote.

 

Hier finden Sie Hilfe

Inkontinenz ist eine Volkskrankheit. Die Deutsche Kontinenz Gesellschaft e. V. setzt sich bei Harn- und Stuhlinkontinenz sowie dem Einnässen beim Kind für eine Verbesserung der Diagnose, Behandlung und Prävention ein.

Unter kontinenz-gesellschaft.de finden Sie Informationen, ärztliche Beratungsstellen sowie Beckenbodenzentren in Ihrer Nähe.