Ursache ist häufig eine Kombination aus Schwächung des Muskels, der die Harnröhre verschließt (Urethralsphinkter), und aus Defekten von Muskeln und Bindegewebe im Bereich des Halteapparates des weiblichen Beckenbodens. Alter, Übergewicht und vorausgegangene Geburten sind bekannte Risikofaktoren für ihr Entstehen.

Bereits in jungen Jahren kann diese Form der Inkontinenz zu Einbußen in der Lebensqualität führen, die hierbei oftmals mit Einschränkungen für sportliche Freizeitaktivitäten einhergehen. Insbesondere Sportarten mit kurzfristigem hohem Druck im Bauchraum (Ballsportarten, Tennis, Golf, Joggen, Rudern etc.) können nicht mehr sorgenfrei betrieben werden.

Während der Schwangerschaft wird relativ häufig beobachtet, dass unter Belastungssituationen Urin verloren geht. Auch wenn man bisher der Überzeugung war, dass diese Tatsache das Risiko steigen lässt, auch nach der Geburt an einer Inkontinenz zu leiden, müssen die Schwangerschaft und die Geburt – egal ob normal oder per Kaiserschnitt – zumindest teilweise als voneinander unabhängig gesehen werden.

Während die Entbindung per Kaiserschnitt kurzfristige Vorteile bezüglich der Entstehung einer Belastungsharninkontinenz zu haben scheint, ist dieser Unterschied sechs Monate nach Entbindung statistisch nicht mehr nachweisbar.

Nach den Wechseljahren spielen auch Hormonmangelerscheinungen eine Rolle. Die Scheidenhaut und auch die Harnröhre werden wegen des fehlenden Östrogens schlechter durchblutet, dadurch dünner und leichter reizbar. Hieraus resultiert ein vermehrtes Vorliegen der Belastungsharninkontinenz mit einem entsprechenden Leidensdruck.

Wichtiger Bestandteil der Diagnostik ist es, die unterschiedlichen Formen der Harninkontinenz voneinander abzugrenzen. Hierbei spielt eine sorgfältige Erhebung der Krankengeschichte eine wichtige Rolle.

Symptome einer Reizblase oder einer Senkung des Genitales müssen genau von denen einer Belastungsinkontinenz abgegrenzt werden. Hierzu gehört auch eine gynäkologische Untersuchung. Weitere Diagnostika wie Ultraschall und auch die Blasendruckmessung sind wichtige Bausteine, die zur richtigen Diagnose führen können.

Mit zunehmendem Alter tritt die Belastungsinkontinenz häufiger in Kombination mit der Dranginkontinenz auf. Eine genitale Senkung kann aufgrund eines Knickes der Harnröhre eine Belastungsinkontinenz verschleiern.

Ist man sich bei der Diagnosestellung „Belastungsharninkontinenz“ sicher, so sollte zunächst eine konservative Therapie eingeleitet werden. Diese kann aus einem physiotherapeutisch angeleiteten Beckenbodentraining, aus einer medikamentösen Therapie, einer Anwendung von anderen Hilfsmitteln (Tampons, Pessare, Reizstromtherapie) oder aber einer Kombination aus oben genannten Dingen bestehen.

Entscheidet man sich gemeinsam mit der Patientin nach erfolgloser konservativer Therapie oder von der Patientin nicht gewünschten konservativen Behandlung für ein operatives Vorgehen, so gibt es auch hier unterschiedliche Optionen. Zum neuen Goldstandard haben sich hier die spannungsfreien suburethralen Bandeinlagen durchgesetzt. Die Langzeiterfolge (17 Jahre) sind vielversprechend und liegen über 85 Prozent.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Belastungsharninkontinenz alle Abschnitte des weiblichen Lebens betreffen kann. Neben konservativen Therapieoptionen gibt es gut etablierte Operationsmethoden, die schnell und zuverlässig helfen, die verloren gegangene Lebensqualität zu verbessern oder wieder ganz zurückzugewinnen, dies mit wenigen unerwünschten Nebenwirkungen oder Komplikationen.

Um ein optimales Behandlungsergebnis zu erzielen, kann es hilfreich sein, sich an einen Spezialisten zu wenden, wie die durch die Deutsche Kontinenz Gesellschaft zertifizierten Kontinenz- und Beckenboden-Zentren und die ebenfalls zertifizierten ärztlichen Beratungsstellen.